
Abgleiten in die Krankheit
Psychologen enthüllen die sechs Stufen der Depression
Aktualisiert am 07.01.2026 – 08:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Über fünf Millionen Erwachsene leiden in Deutschland an einer Depression. Die wenigsten reden darüber, in einer seelischen Notlage zu sein.
Daher bleibt die Krankheit oft lange Zeit verborgen. Selbst für Angehörige oder Ärzte ist es nicht immer leicht, eine Depression zu erkennen.Um den Betroffenen schneller und gezielter Hilfe zukommen zu lassen, haben Psychologen sechs Verhaltensmerkmale her ausgearbeitet, die im Zuge einer Depression nacheinander auftreten.
Für die tiefenpsychologische Studie des Rheingold Instituts in Köln, im Auftrag von Pascoe Naturmedizin, wurden 80 Betroffene – je 40 Männer und Frauen – im Alter von 20 bis 60 Jahren befragt.
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Übereinstimmend berichteten alle Patienten von Zuständen unendlicher Traurigkeit und einem Gefühl, lahmgelegt und im Alltag überfordert zu sein. Außerdem interviewten die Psychologen 22 Ärzte, zehn Apotheker und acht pharmazeutisch-technische Assistenten, was ihnen im Umgang mit depressiven Patienten auffällt. Daraus entwickelten die Forscher eine innere Psycho-Logik, die in sechs charakteristischen Schritten verläuft.
Als wesentliche Voraussetzung nennt Stephan Grünewald, Diplompsychologe vom Rheingold Institut, ein ausgeprägtes Streben nach Perfektion. „Wenn Betroffene sich öffnen, zeigen sich hohe Ansprüche, Ideale oder ein Perfektionsstreben“, erklärt der Experte.
Werden die überhöhten Ansprüche nicht erfüllt, empfinden die Betroffenen dies als persönliches Scheitern. Sie haben dabei das Gefühl, auf ganzer Linie versagt zu haben. Laut der Studie befinden sie sich damit auf dem zweiten Schritt in die Depression.
Besonders schlimm ist es, wenn es auf dieser Stufe zu schmerzhaften Verlusten, beispielsweise dem Tod eines geliebten Menschen, kommt. Oder wenn der Betroffene von einer schweren Krankheit belastet wird.
Auf diese Phase folgt im dritten Schritt die „Stilllegung“, berichtet Grünewald. Dabei ziehen sich die Betroffenen immer mehr in sich zurück. Mit Problemen oder schmerzhaften Erfahrungen setzen sie sich nicht mehr auseinander, sondern übernehmen diese als gegeben und unverrückbar. Beim Verlust eines Menschen findet auch eine Trauer, bei der bewusst Abschied genommen wird, nicht statt.
Vielmehr frieren die psychisch Kranken in dieser Phase ihre Gefühle ein. Sie legen sich, im wahrsten Sinne des Wortes, still. Das passiert jedoch nicht willentlich. Die Betroffenen haben eher das Gefühl, wie ferngesteuert lahmgelegt zu sein. Alltägliche Verrichtungen werden kaum noch wahrgenommen.
Typisch für die nächste Phase ist die absolute Gleichgültigkeit gegenüber alltäglichen Aufgaben, Pflichten und freundschaftlichen Beziehungen. „Es findet keine Priorisierung mehr statt“, sagt Grünewald. Die Patienten schaffen es nicht mehr zu entscheiden, was Vorrang hat und angegangen werden muss.
Auf dieser Stufe angelangt, entwickeln Menschen mit depressiven Verstimmungen eine starke innere Aktivität. Dabei kreisen ihre Gedanken ausschließlich um die eigene Person. Die Welt wird ausgeblendet.
Der Schritt in die Lethargie ist dann nicht mehr weit. Die Betroffenen, die sich auf dieser Stufe befinden, schmoren sozusagen im eigenen Saft, wie die Psychologen es formulieren. Oft fallen in dieser Phase Sätze wie „reiß dich mal zusammen“ oder „gib dir endlich mal einen Ruck“ von Seiten der Angehörigen.











