Doch nicht alle Regionen an diesen Plattenrändern sind gleich stark gefährdet. Während in Gebieten wie Zentralitalien schwere Erdbeben häufiger auftreten, gibt es andere Regionen, in denen täglich Hunderte kleinere Beben registriert werden. Dies ist zum Beispiel in der Schweiz der Fall. Diese schwachen Erschütterungen (unter Magnitude 2) helfen dabei, Spannungen im Untergrund allmählich abzubauen, ohne größere Beben auszulösen.
In der Ägäis führt die Driftbewegung der Erdplatten hingegen zu häufigen Erdbeben über der Magnitude 2. Die Erdbeben in Griechenland und der Ägäis werden von der Seismologischen Station der Aristoteles-Universität Thessaloniki (AUTH) registriert und analysiert. Aus den täglich aktualisierten Daten lassen sich fünf Cluster identifizieren, in denen sich Erdbeben besonders häufen.
Der mächtigste Cluster liegt im über 1.000 Meter tiefen Becken nördlich des kretischen Inselbogens. Hier treten besonders häufig seismische Aktivitäten auf. Die zweitgrößte Erdbebenhäufigkeit weist eine Region südlich der Inseln Karos und Amorgos auf. Ein etwas schwächerer Cluster befindet sich am Rand des ägäischen Schelfbereichs, direkt südlich von Santorini. Der schwächste Cluster bildet sich im Zentrum der Santorini-Caldera und reicht bis in den nordöstlichen Bereich der Hauptinsel Thera. Dies entspricht der klassischen Lage der Santorini-Vulkane.
Nordöstlich von Santorini, im Bereich des Kolumbo-Vulkans, nimmt die seismische Aktivität wieder zu. Dieser Vulkan reicht von einer Meerestiefe von über 400 Metern bis fast an die Wasseroberfläche heran.
Die Erdbeben in der Region folgen deutlich einer Südwest-Nordost-Ausrichtung. Sie folgen weitgehend den Vektoren, die die Drift der anatolischen Platte anzeigen. Der klassische vulkanische Inselbogen, der sich entlang der Kontur der abtauchenden Afrikanischen Platte erstreckt, spielt somit eine geringere Rolle als lange angenommen. Stattdessen richtet sich der Vulkanismus zunehmend entlang jener Störungszonen aus, die durch die Bewegung der Anatolischen Platte entstehen, wodurch Magma aufsteigt und die Vulkane des Inselbogens speist.








