Asset Allocation entscheidend
Um solche Risiken zu umschiffen oder zu minimieren, ist eine strategische Aufteilung des eigenen Vermögens auf verschiedene Anlageklassen notwendig. Die 80–90-Prozent-Regel, die auf die US-amerikanischen Finanzwissenschaftler Brinson, Hood und Beebower (1986, 1991) sowie Ibbotson und Kaplan (2000) zurückgeht, beschreibt genau dieses Vorgehen.
In Studien haben die Wissenschaftler die Renditen von Pensionsfonds untersucht. Ihr zentrales Ergebnis: Der größte Teil der langfristigen Wertentwicklung eines Portfolios wird nicht durch die Auswahl einzelner Wertpapiere oder das Market Timing – also den Zeitpunkt des Kaufs bestimmter Wertpapiere – bestimmt, sondern durch die strategische Vermögensaufteilung. Damit ist die grundsätzliche Aufteilung des Kapitals auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien gemeint.
Mit anderen Worten: Ob Sie 60 oder 100 Prozent Aktien halten, prägt Ihr Risiko- und Renditeprofil weit stärker als die Frage, ob Sie Apple oder Microsoft im Depot haben. Die richtige Vermögensaufteilung ist damit das Fundament, auf dem jede Anlagestrategie stehen sollte.
Stabilität durch Diversifikation
Andere Anlageklassen als Aktien sind selten Renditetreiber – ihre Aufgabe liegt woanders: Sie sollen das Portfolio stabilisieren, Schwankungen abfedern und in Krisen Liquidität sichern.
- Anleihen: Sie bringen zwar langfristig weniger Rendite als Aktien, schwanken dafür aber deutlich weniger. In Crashphasen können sie wie ein Stoßdämpfer wirken und Kapital für Umschichtungen freihalten.
- Gold und Rohstoffe: Sie zahlen keine Zinsen oder Dividenden, können aber in Phasen hoher Inflation oder geopolitischer Krisen als „Krisenwährung“ dienen und das Portfolio vor extremen Verlusten schützen.
- Immobilien: Ob direkt oder über Fonds, sie können langfristig stabile Mieterträge liefern und sind oft weniger stark mit den Schwankungen der Aktienmärkte korreliert.
Der Punkt ist: Diese Anlagen sollen nicht die Wertentwicklung von Aktien übertreffen, sondern dafür sorgen, dass Sie Ihre Aktieninvestments durchhalten. Ein Portfolio, das nicht wie die Nadel eines Erdbebenseismografen hektisch ausschlägt, lässt sich leichter aushalten – und genau das erhöht die Chance, am Ende die Rendite zu bekommen, die Ihnen zusteht.
Was das für die Praxis bedeutet
Für die meisten Anleger sind diese Erkenntnisse trotzdem schwer umzusetzen. Sie agieren eher emotional als strategisch, vielen fehlen die Zeit oder das Interesse, sich detailliert mit dem Thema zu beschäftigen.
Daher raten Experten wie Kim Felix Fomm, Anlagechef der Spar- und Anlageplattform Raisin, sich durch digitale Angebote helfen zu lassen, was meistens dann die bessere Wahl ist im Vergleich zum Do-it-yourself-Ansatz. Tools wie Roboadvisor oder Vermögensverwaltungen könnten Anleger bei der richtigen Vermögensaufteilung unterstützen, erklärt Fomm weiter.
