Anreize für Privatanleger

Rumänien setzt auf Blut bei Anleihen


26.09.2026 – 01:15 UhrLesedauer: 3 Min.

Das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen in Bukarest. (Archivbild) (Quelle: imago stock&people/imago)

Kleine Länder suchen kreative Wege, um Staatsanleihen anzubieten. In Rumänien sticht ein Projekt besonders hervor.

Staaten finanzieren sich zu einem bestimmten Teil über Staatsanleihen, für die sie eine feste Rendite versprechen. Steigen die Staatsschulden, steigen auch die Renditen. Doch Rumänien bietet noch mehr als die weltweit durchschnittlichen fünf bis sechs Prozent für zehnjährige Anleihen – allerdings unter einer Bedingung.

Das Land hat ein Programm ins Leben gerufen, mit dem es gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Denn wer in dem Land Blut spendet, bekommt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einen Prozentpunkt mehr als den marktüblichen Zinssatz für Staatsanleihen. Gleichzeitig werden Blutspenden attraktiver gemacht.

„Anleihen gegen Blut“ ist ein Programm, mit dem die Rendite auf über sieben Prozent erhöht werden kann. Seit 2025 hat es bereits 600 Millionen US-Dollar (etwa 530 Millionen Euro) in die Staatskasse gespült. Das Geld kam von Zehntausenden Kleinanlegern, so Bloomberg. Es ist Teil des Fidelis-Projekts, mit dem Privatanleger in die Staatspapiere gelockt werden sollen. Mittlerweile macht es laut Bericht ein Fünftel der Summe aus, die Rumänien als Schulden aufnimmt.

Es wurde 2020 aufgelegt und ermöglicht es Bürgern, über die Bukarester Börse direkt in rumänische Staatsanleihen zu investieren – in Leu oder Euro, mit verschiedenen Laufzeiten von zwei bis zehn Jahren. Die Mindestanlagesummen sind bewusst niedrig gehalten, um auch Kleinsparer anzusprechen. Seit dem Start hat das Programm über 62 Milliarden Lei (rund 12,5 Milliarden Euro) eingesammelt, allein 2025 waren es mit über 21 Milliarden Lei so viel wie nie zuvor in einem einzelnen Jahr.

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Kleine Länder gehen neue Wege bei Anleihen

Das Beispiel zeigt, wie Regierungen versuchen, neue Wege bei der Finanzierung zu gehen. Der Schuldenberg von Staaten wächst, und viele institutionelle Anleger fragen nach immer höheren Renditen. Das wiederum lässt die Schulden weiter ansteigen. In den USA verzeichnen die Staatsfonds steigende Zinsen, weil eine hartnäckige Inflation und Rekordschulden die Kurse langlaufender Anleihen auf Talfahrt geschickt haben. Die jüngste Zinswende der Fed hat die Kurse nochmal fallen lassen.

In Hongkong wurden digitale grüne Anleihen in mehreren Währungen ausgegeben, die mit Blockchain-Technik verteilt werden. Auch Slowenien versucht sich in digitalen Anleihen. Der Vorteil solcher Investments: Man kann schon mit geringen Beträgen einsteigen. Das Ergebnis ist eine Art „mikrosouveräne Finanzierung“: Ein Staat erhält damit Zugang zu einem bislang ausgeschlossenen Pool aus Kleinsparern, Bürgern im Ausland und Privatanlegern. „Die Digitalisierung des gesamten Emissionsprozesses senkt sowohl die Finanzierungskosten als auch die Zeichnungsgebühren“, nennt das World Economic Forum die Vorteile von solchen neuen technischen und kreativen Lösungen.

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