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Am 24. August will sich Gina H. erstmals selbst vor Gericht äußern. Was glauben Sie: warum erst jetzt, so spät im Prozess?

Gina H. und ihre Verteidiger kennen inzwischen die wesentlichen bislang in der Hauptverhandlung eingeführten belastenden Indizien und Zeugenaussagen. Sie wissen, welche Indizien Bestand haben und wo Zeugen möglicherweise widersprüchlich ausgesagt haben. Sie kann versuchen, die bisherige Beweisführung in eine andere Richtung zu lenken, den Grundstein für neue Beweisanträge zu legen und für belastende Indizien alternative Erklärungen anzubieten. Mit all dem könnte sie Zweifel an der Interpretation der Staatsanwaltschaft säen.

Womit rechnen Sie konkret?

Ich rechne damit, dass ihre Beziehung zu Fabians Vater eine erhebliche Rolle spielen wird. Möglicherweise wird sie versuchen darzustellen, dass diese Beziehung keineswegs endgültig beendet war und Fabian auch nicht das Hindernis für eine Wiederannäherung gewesen sei, wie es die Staatsanwaltschaft in ihrer Motivthese deutet. Interessant könnte dabei auch sein, welches Bild Gina H. von ihrer eigenen Rolle im Leben des Jungen zeichnet.

Was könnte dabei ihre Strategie sein?

Nach den bisherigen Prozessberichten hat sie sich offenbar selbst als eine wichtige und fürsorgliche Bezugsperson für Fabian verstanden. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass sie diesen Aspekt betont und sinngemäß vermittelt: Warum sollte ich einem Kind etwas antun, das mir selbst sehr nahestand und das ich wie ein eigenes Kind behandelt habe? Ein Geständnis halte ich nach allem, was wir wissen, für ausgeschlossen. So oder so: Ihre Aussage kann grundsätzlich die Wende im Prozess bringen.

Der kleine Fabian gemeinsam mit Mutter Dorina: In Güstrow ist die Angst seit dem gewaltsamen Tod des Achtjährigen spürbar.
Der kleine Fabian gemeinsam mit Mutter Dorina: Sie verfolgt den Prozess als Nebenklägerin. (Quelle: SchwarckMedia)

Fabians Mutter verfolgt den Prozess als Nebenklägerin – und musste bereits ertragen, wie Gina H. in abgespielten Sprachnachrichten schlecht über sie sprach. Worauf muss sie sich einstellen?

Die Aussage könnte für Fabians Mutter außerordentlich schmerzhaft werden. Eine Zeugin hatte im Prozess schon behauptet, Fabian habe sich von seiner Mutter nicht ausreichend geliebt gefühlt. Sollten solche Vorwürfe nun erneut aufgegriffen oder sogar Bestandteil einer Verteidigungsstrategie sein, dürfte das für die Mutter nur schwer auszuhalten sein. Besonders problematisch ist dabei für mich: Fabian kann sich gegen solche Darstellungen nicht mehr selbst zur Wehr setzen. Der emotionale Worst Case für die Mutter könnte deshalb darin bestehen, dass sie nicht nur noch einmal mit dem Tod ihres Kindes und dem Bestreiten der Tat konfrontiert sein wird, sondern erleben muss, wie Fabian selbst – oder möglicherweise auch sie als Mutter – zum Gegenstand einer Entlastungserzählung werden.

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