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Home » Der Ausverkauf im deutschen Mittelstand
Wirtschaft

Der Ausverkauf im deutschen Mittelstand

By zeit-heute.deApril 10, 20262 Mins Read
Der Ausverkauf im deutschen Mittelstand
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Das Ergebnis ist ein kollektiver Vertrauensentzug internationaler Fonds, der zu einer Bewertung führt, die hellhörig machen sollte. Es ist ein seltsames psychologisches Phänomen: Würde ein Nobelkaufhaus 70 Prozent Rabatt auf Designerstücke gewähren, gäbe es Schlagzeilen und Einlasskontrollen. An der Börse hingegen lösen massive Preisnachlässe bei den meisten Privatanlegern eher Fluchtreflexe aus.

Dabei liegen die Fakten glasklar auf dem Tisch, wie Daten von boersengefluester.de belegen. Besonders im SDax herrscht derzeit „Prime Day“-Stimmung: „Mit rund 16 liegt das aus allen Einzelwerten ermittelte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) satte 20 Prozent unter dem Zehn-Jahres-Schnitt von 21“, so die Experten vom Lynx-Broker. Man zahlt also deutlich weniger für jeden Euro Gewinn als üblich.

„Der Abschlag auf die tatsächliche Substanz, Stichwort Kurs-Buchwert-Verhältnis, liegt bei massiven 37 Prozent“, so Thomas Soltau vom Smartbroker. In der Praxis heißt das: Viele dieser oft hoch spezialisierten Weltmarktführer notieren an der Börse weit unter dem Wert, den man allein für ihre physischen Vermögenswerte ansetzen müsste. Für private Investoren ist dies das klassische „Sicherheitsnetz“: Man kauft Substanz mit einem riesigen Rabatt ein.

Ein Paradebeispiel für diesen Ausverkauf ist Carl Zeiss Meditec. Ein technologischer Weltmarktführer im Bereich OP-Mikroskope für die Neurochirurgie oder Laser zur Korrektur von Fehlsichtigkeit, dessen Aktie aktuell zu einem KBV von 1 gehandelt wird. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre lag dieser Wert bei 4,8. Im Jahr 2021 wurde die Firma zeitweise wie ein kalifornischer Tech-Gigant bewertet und jeder wollte sie haben. Seitdem ist der Kurs um rund 90 Prozent gefallen und liegt auf dem Niveau von 2015. Wer hier zugreift, kauft zwar mit einem schlechten Bauchgefühl, aber etwas übertrieben formuliert die Substanz zum Preis eines gebrauchten Kleinwagens, während er eigentlich einen Sportwagen erhält.

Dass die Preise nicht zum Produkt passen, haben die Profis längst bemerkt. Während Privatanleger noch zögern, bringen sich die „großen Jungs“ in Stellung. Private-Equity-Riesen wie Warburg Pincus, aktiv bei Netfonds, oder Family Offices bei Cashflow-Perlen wie Fielmann und Hensoldt sammeln still und heimlich Anteile ein. Besonders auffällig: Deutschland bleibt das Hauptziel chinesischer Industrie-Investitionen. Ob der Einstieg von Anta Sports bei Puma, mit knapp 29 Prozent nun größter Aktionär, oder der Hunger auf deutsches Ingenieurwissen in der Robotik und bei Automobilzulieferern – das Ausland nutzt die Gunst der Stunde, um Technologielücken zum Discountpreis zu schließen.

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