Arzneimittelversorgung
Die Vor-Ort-Apotheke verliert ihre Kunden
20.10.2026 – 16:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Medikamente werden von vielen Kunden zunehmend online gekauft, viele Standorte kämpfen ums Überleben. Ein neues Gesetz soll die Kunden zurück in die Apotheken bringen.
Ob Nasenspray, Kopfschmerztabletten oder die Einlösung eines Rezepts: Immer weniger Menschen gehen hierfür zur Apotheke um die Ecke. Dies geht aus einer Umfrage von Statista Consumer Insights unter Menschen zwischen 18 und 64 Jahren hervor. Nur noch 53 Prozent der Befragten suchten 2026 eine stationäre Apotheke auf. Das sind 20 Prozentpunkte weniger als noch 2019. „Damit verliert der klassische Einkaufsweg deutlich an Reichweite“, schreibt Matthias Janson, Datenjournalist bei Statista.
Doch wie ist der Rückgang zu erklären? Am Arzneikonsum der Deutschen liegt es offenbar nicht. Der Verbrauch von Medikamenten hat in den vergangenen Jahren sogar zugenommen. Erwerbstätige haben im vergangenen Jahr so viele Medikamente verschrieben bekommen wie noch nie zuvor, ergab eine Auswertung der Techniker Krankenkasse unter ihren Versicherten.
Versandhandel macht Apotheken zu schaffen
Laut Statista macht den Apotheken stattdessen der Versandhandel zu schaffen. Immer mehr Menschen bestellen demzufolge ihre verschreibungspflichtigen und nicht verschreibungspflichtigen Medikamente bei Versandapotheken. Hier wächst die Konkurrenz für die stationären Apotheken, da auch Einzelhändler wie Rossmann und dm das Potenzial des Medikamentenhandels zunehmend für sich erkannt haben. Entwicklungen wie das E-Rezept, das seit Anfang 2024 Pflicht für Ärzte bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist, treiben diese Entwicklung.
Stationäre Apotheken werben mit persönlicher Beratung und unmittelbarer Verfügbarkeit. Wichtige Argumente, die aber offenbar viele Kunden nicht dauerhaft binden.
Für die Apotheken ist die abwandernde Kundschaft besorgniserregend. Schon jetzt steckt die Branche in einer tiefen Krise. So sank die Zahl der öffentlichen Apotheken in Deutschland zuletzt immer schneller. Ende 2025 erreichte sie mit 16.601 Standorten den niedrigsten Stand seit Ende der 1970er-Jahre, wodurch sich auch die Versorgung der Menschen verschlechtert, da diese immer weitere Wege auf sich nehmen müssen.
Mehrere Gründe für wirtschaftliche Probleme
Die Online-Konkurrenz ist allerdings nicht allein dafür verantwortlich, dass immer mehr Apotheken ums Überleben kämpfen. So halte die Vergütung, die Apotheken für verschreibungspflichtige Medikamente erhalten, nicht Schritt mit den steigenden Personal-, Energie-, Miet- und Finanzierungskosten. Hinzu komme ein steigender bürokratischer Aufwand für die Apotheken.
Der Bundestag hat im Sommer als Reaktion auf diese Entwicklung das Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung beschlossen. Dieses soll nicht nur Bürokratie abbauen, sondern auch das Leistungsspektrum der Apotheken erweitern. So können Apotheken in bestimmten Fällen nun Medikamente auch ohne Rezept herausgeben. Apotheker dürfen ihren Kunden zudem Impfungen – zumindest mit Totimpfstoffen –, venöse Blutentnahmen und Präventionsberatungen, beispielsweise bei Herzkreislauf- oder Diabetes-Erkrankungen, anbieten. Ob diese Angebote die Kundschaft wieder vermehrt in die Apotheken locken werden, bleibt abzuwarten.











