
Debatte über Verkauf von US-Anleihen
Grönland: Rüttelt Trump am globalen Finanzsystem?
21.01.2026 – 13:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein dänischer Pensionsfonds verkauft seine US-Anleihen? Folgt bald der Ausverkauf der Staatspapiere. Ein deutscher Ökonom fürchtet eher um deutsche Goldvorräte.
Die Ratingagentur Scope rechnet nicht mit einem großangelegten Verkauf amerikanischer Staatsanleihen als Reaktion auf den Grönland-Konflikt. „Europäische Länder halten ebenso wie Japan und China große Bestände an ausstehenden US-Staatsanleihen“, schrieb Scope-Analyst Eiko Sievert in einer Kurzanalyse, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag.
Zuvor hatte der dänische Pensionfonds AkademikerPension angekündigt, US-Anleihen in Höhe von 100 Millionen Euro abzustoßen. Die Entscheidung wurzelt in den schlechten US-Staatsfinanzen, die uns zu dem Schluss bringen, dass wir uns um einen alternativen Weg für unser Liquiditäts- und Risikomanagement bemühen müssen“, betonte Investmentchef Anders Schelde.
Nach Berechnungen der „Financial Times“ unter Berufung auf Daten der US-Notenbank Fed beläuft sich die Summe der US-Anleihen, die von europäischen Nato-Verbündeten gehalten werden auf rund 12,6 Billionen Dollar.
„Europa besitzt Grönland und auch viele US-Staatsanleihen. Wir haben den Großteil des letzten Jahres damit verbracht, zu argumentieren, dass die USA trotz ihrer militärischen und wirtschaftlichen Stärke eine entscheidende Schwäche haben: Sie sind darauf angewiesen, dass andere ihre Rechnungen durch hohe Außenhandelsdefizite begleichen“, zitierte die „Financial Times“ aus einer Analyse der Deutschen Bank.
Doch verwies die renommierte Wirtschaftszeitung auch auf ein Problem: Die europäischen Staaten müssten ihre Schulden bei einem anderen Gläubiger aufnehmen.
So kommt auch Scope zu einem zurückhaltenden Fazit. „Wir halten es für unwahrscheinlich, dass europäische Investoren als Reaktion auf die derzeitigen politischen Spannungen US-Anlagen in großem Stil und auf koordinierte Weise abstoßen würden“, heißt es in der Analyse.
Sollte ein solches Szenario dennoch eintreten, könne das zudem zu riskanten Notverkäufen führen. „Dabei würden die eigenen Vermögenswerte der
Investoren stark an Wert verlieren, was das globale Finanzsystem, in dem sie agieren, destabilisieren würde.“
Angesichts der zunehmenden politischen Unsicherheit in den USA dürften Investoren ihre US-Bestände jedoch wahrscheinlich weiter schrittweise diversifizieren. „In Verbindung mit der wachsenden Staatsverschuldung der USA kann dies zu einem Aufwärtsdruck auf die Risikoprämien für künftige Anleiheemissionen führen“, betonte Sievert. „Dies erhöht die Anfälligkeit der Staatsfinanzen, da die Zinsaufwendungen weiter steigen.“










