
Anstieg von Verordnungen
Immer mehr Menschen nehmen ADHS-Mittel – das steckt dahinter
22.01.2026 – 16:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine neue Studie zeigt: ADHS-Medikamente werden deutlich häufiger verschrieben als früher. Von übermäßigen Verordnungen kann dennoch nicht die Rede sein.
Ständige Unruhe, Konzentrationsprobleme, Schwierigkeiten, die eigenen Impulse zu kontrollieren: Die für ADHS typischen Symptome sind nicht einfach nur nervig oder lästig. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung geht nicht selten mit erheblichem Leidensdruck einher und kann weitreichende Konsequenzen für das ganze Leben haben.
Helfen können unter anderem Medikamente. Und laut einer neuen Studie im Fachmagazin „The Lancet Regional Health Europe“ kommen diese auch weitaus häufiger zum Einsatz als früher. Die Forscher analysierten große Datensätze von Verschreibungen und Krankenkassendaten aus mehreren europäischen Ländern. Dabei stellte sich heraus: In Deutschland ist der Anteil der Menschen, die ADHS-Medikamente nehmen, zwischen 2010 und 2023 von 0,14 Prozent auf 0,23 Prozent angestiegen. Was nach einer drastischen Entwicklung klingen mag, lässt sich allerdings plausibel erklären.
Die Autoren der Studie führen den Anstieg vor allem auf zunehmende Diagnosen zurück. Diagnosezahlen wurden in der Untersuchung zwar nicht systematisch erfasst. Auf den steigenden Trend weisen aber andere Untersuchungen hin. So belegen Daten von gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland: Während 2015 noch bei 8,6 von 10.000 Versicherten die Diagnose ADHS gestellt wurde, waren es rund zehn Jahre später bereits 25,7.
Als Grund hierfür gilt in erster Linie die erhöhte gesellschaftliche Aufmerksamkeit für die Störung. Diese ist vermutlich nicht weiter verbreitet als früher, wird aber häufiger erkannt, weil mehr Menschen besser darüber informiert und stärker dafür sensibilisiert sind. Wer für ADHS typische Symptome bei sich feststellt, lässt sich daher eher testen und bei entsprechender Diagnose behandeln – in vielen Fällen auch mit Medikamenten.
Diese Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen der neuen Studie wider. Diese zeigen allerdings auch: In Deutschland sind die Verordnungszahlen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auffällig niedrig. Sie stiegen
Ob die Erhöhung jeweils mit einer entsprechenden Zunahme der Diagnosen zusammenhängt, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Klar erscheint angesichts der Zahlen aber: In Deutschland gibt es keine Anzeichen für eine übertriebene Verordnungspraxis. Die Studie legt eher den gegenteiligen Schluss nahe. Hierzulande werden weniger Menschen mit ADHS medikamentös behandelt als in anderen Ländern Europas.
Die gängigsten ADHS-Mittel in Deutschland enthalten den Wirkstoff Methylphenidat. Bei Kindern hilft dieser meist ziemlich zuverlässig. Studien zufolge stellt sich bei etwa 70 von 100 Kindern eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome ein.
Bei Erwachsenen gibt es hingegen große Unterschiede: Auf eine medikamentöse Therapie sprechen zwischen 25 und 75 von 100 Erwachsenen an. Manche profitieren stark von der Behandlung, andere nur wenig, und bei einigen hilft sie kaum.











