Das zweite zentrale geopolitische Thema beim Gipfel ist die Ukraine. In der Nacht vor dem Beginn des Treffens hat Russland die Ukraine einmal mehr mit heftigen Raketen- und Drohnenangriffen schwer getroffen. Zwar haben die Europäer inzwischen einen Großteil der finanziellen Unterstützung für Kiew selbst übernommen, weil die Trump-Regierung sich immer weiter herausgezogen hat. Doch der Krieg bleibt trotz des Iran ein zentraler Faktor des Gipfels. Dafür spricht auch, dass Macron nicht nur Donald Trump, sondern auch Wolodymyr Selenskyj im Anschluss an den Gipfel nach Versailles zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen hat.
Ob es angesichts der Fülle von Themen eine gemeinsame Abschlusserklärung der Staats- und Regierungschefs geben wird, ist bis zuletzt noch offen geblieben. Gab es bei früheren Gipfeltreffen der G7 immer ein solches Dokument, fiel die Erklärung vergangenes Jahr in Kanada aus – weil die Trump-Regierung nicht mitmachen wollte. Vorab rechnen Beobachter damit, dass es auch dieses Jahr wieder so laufen könnte.
Was ist aus deutscher Sicht wichtig?
Für Kanzler Friedrich Merz ist es der zweite Gipfel dieser Art, nachdem er vergangenes Jahr schon im kanadischen Kananaskis mit von der Partie war. Merz dürfte beim G7-Gipfel darauf dringen, dass jetzt, wo ein Friedensabkommen mit dem Iran in greifbarer Nähe ist, die Ukraine wieder stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit von US-Präsident Trump rückt. In deutschen Regierungskreisen hieß es Ende vergangener Woche: „Die Ukraine ist heute in einer neuen Position der Stärke.“ Russland könne militärisch nicht siegen. „Hier kann sich erstmals langsam ein Fenster für Diplomatie öffnen.“
Wie es jedoch zu Gesprächen mit Russland kommen kann – und vor allem: Wer daran neben der Ukraine, Russland und den USA potenziell teilnimmt –, ist noch offen. Zu erwarten ist deshalb, dass Merz, gemeinsam mit den anderen Europäern, darum wirbt, ebenfalls Teil möglicher Verhandlungen zu sein.
Unabhängig davon muss es für Deutschland auch darum gehen, die Amerikaner im Rahmen der Nato an der Seite Europas zu halten. Zuletzt hatten Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth mehrfach den Abzug von Truppen aus Europa angekündigt – was angesichts der russischen Bedrohung an der Nato-Ostflanke ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt. Das G7-Treffen könnte damit für Merz, Macron und Co. zu so etwas wie einem Vorbereitungstreffen für den Nato-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli werden.
Was für eine Rolle spielt Trump?
Über kaum einen Teilnehmer wird in Évian so viel gesprochen wie über Donald Trump. Französische Diplomaten haben die Gipfelplanung schon seit Monaten darauf ausgerichtet, offene Konfrontationen mit dem US-Präsidenten möglichst zu vermeiden. Der Beginn wurde unter anderem wegen des 80. Geburtstags von Trump leicht nach hinten verschoben. Die Einladung in das prunkvolle Versailles galt schon lange als zusätzliches Lockmittel, damit Trump überhaupt kommt. Hinter den Kulissen lautet die zentrale Frage deshalb tatsächlich weniger, welche Beschlüsse auf dem G7-Gipfel gefasst werden, sondern wie provokant Trump wohl in Évian auftreten wird.











