Die Polizei ist deswegen heute mit noch mehr Kräften im Einsatz als üblich. Der Domplatz, auf dem die Bühne steht, ist mit schweren Pollern eingegrenzt. Entlang der Demoroute blockieren Polizei-Vans jede einzelne Querstraße. Beamte in Zivil laufen in der Menge mit, Beamte in Uniform säumen den Protestzug eng. Während die Bässe wummern, schauen sie sich aufmerksam um.
Von einem „mulmigen Gefühl“ bei der Anreise spricht der 29-jährige Danny. Er kommt aus Magdeburg, ist schwul, trägt keine Regenbogenflagge, sondern Jeans und dunklen Pullover. Die vielen Polizisten seien ein seltsamer Anblick. „Doch dank ihnen fühle ich mich sicher“, sagt Danny. „Und viele andere so frei, sich zu zeigen, wie sie es im Alltag nie tun würden.“
Der Staat ist auf ihrer Seite. Sogar, wenn manche gegen ihn sind. Ein Block der Antifa läuft im Demozug mit, es sind ein paar Dutzend unter rund 3.000 Teilnehmern. „Ich kann nichts, ich bin nichts, gebt mir eine Uniform“, skandieren sie im Chor. An ihrer Spitze läuft ein junger Mann im weißen Shirt. Auf dem Schild in seiner Hand steht: „No cops @pride!“, also: Keine Polizisten auf CSDs. Wie er sich das vorstellt, will die Reporterin ihn fragen. Doch er blockt sofort ab: Mit der Presse will er nicht sprechen.
Für die Polizisten ist Protest gegen sie kein Problem. Sie sind Profis. „Das ist Meinungsvielfalt“, sagt einer, der in der Nähe steht. Es gebe viele unterschiedliche Positionen, auch die Polizei selbst sei im Übrigen auf dem CSD vertreten. Manche Polizisten sind auf gelben Westen auch mit Kürzeln, die für die Community typisch sind, extra als vertrauensvolle Ansprechpartner ausgezeichnet.
Die größte Sorge vieler hier ist: Vielleicht ist all das bald nicht mehr so. Vielleicht wird der Staat bald zu unserem Gegner.
CSD wirbt für taktisches Wählen – gegen die AfD
Die AfD Sachsen-Anhalt steht in Umfragen bei 43 Prozent. Vom Landesverfassungsschutz wird sie als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. In ihrem Wahlprogramm, das sie bereits „Regierungsprogramm“ nennt, definiert sie als gesellschaftliches Leitbild alleinig die heterosexuelle Familie („Vater, Mutter, Kind“), als ihr großes Ziel mehr deutschen Nachwuchs – und als einen der Hauptfeinde für ihre Vision die queere Community.












