Große Teile der Gesellschaft haben sich ob des Falls Collien Fernandes empört gezeigt, im Fußball aber hält sich der Aufschrei in Grenzen. Meira Werner erklärt, warum das problematisch ist.
Seit Tagen bewegt der Fall Collien Fernandes die Gesellschaft. Die Moderatorin und Schauspielerin hatte zunächst im „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben und bestimmte Vorhaltungen eidesstattlich versichert. Anschließend äußerte sie sich auch auf ihrem Instagram-Account. Demzufolge soll Ulmen über Jahre hinweg digital gefälschtes sexuelles Bildmaterial von ihr im Netz verbreitet haben. Aus ihrer eidesstattlichen Erklärung geht auch hervor, dass er gegenüber Hunderten von Männern im Netz ihre Identität angenommen und diesen Männern in ihrem Namen sexuelle Avancen gemacht haben soll. Fernandes sprach unter anderem von „digitaler Vergewaltigung“.
Christian Ulmen selbst schweigt bisher zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sein Rechtsbeistand, der Promi-Anwalt Christian Schertz, nennt die Veröffentlichungen des „Spiegel“ in einer presserechtlichen Information „unwahre Tatsachen aufgrund einseitiger Schilderung“. Weitere Details zu den Vorwürfen lesen Sie hier.
Während der Fall in vielen Teilen der Gesellschaft Solidaritätsbekundungen nach sich gezogen hat, folgten aus dem Fußball nur wenige Reaktionen. Meira Werner, Content-Creatorin im Bereich Fußball und als Sportmoderatorin unter anderem für das ZDF im Einsatz, erkennt darin ein Problem. Im Gespräch mit t-online erklärt sie, warum sich die Fußballwelt positionieren muss und welchen Wandel es nun braucht.
t-online: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie die Aussagen von Collien Fernandes gelesen haben?
Meira Werner: Ich dachte mir: krass, dass es mich nicht schockiert. Das klingt hart, aber nach all den Dingen, die sich Männer, auch im Fußball, in den letzten Jahren erlaubt haben, falle ich nicht mehr aus allen Wolken. Ich habe zudem ein Bedauern empfunden, dass Collien erst jetzt den Mut fassen konnte, dass sie sich erst jetzt von der Gesellschaft in Schutz genommen fühlt, um darüber zu sprechen. Wir müssen noch viel machen, damit sich Frauen sicherer fühlen.
Wie haben Sie die öffentlichen Reaktionen wahrgenommen?
Ähnliche Themen wurden in der Vergangenheit nicht laut, weil sich niemand eine Stellungnahme dazu getraut hat. Es wurde auf laufende Verfahren verwiesen. Das ist diesmal anders, es wurde laut. Viele starke Frauen haben sich geäußert.
„Schämen die sich nicht, erst in dem Alter über solche Themen nachzudenken?“
Meira Werner über die Reaktion einiger Männer
Viele Männer der Branche haben direkt Stellung bezogen, sich an Colliens Seite gestellt. Einige wurden aber auch das erste Mal mit ihrer Rolle und mit ihrer Aufgabe in einer solchen Situation konfrontiert. Das ist manchen besser gelungen als anderen.












