Im Sommer findet die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko statt. US-Amerikaner Steven Cherundolo sorgt sich vor dem Turnier um seine Heimat.
Nur wenige in Deutschland kennen sich im US-Fußball so gut aus wie Steven Cherundolo. Der langjährige Profi von Hannover 96 (1999 bis 2014) absolvierte 87 Länderspiele für sein Heimatland, arbeitete nach dem Ende seiner aktiven Karriere zudem fünf Jahre als Trainer in den USA. Mittlerweile ist er zurück in Deutschland.
Die Entwicklungen in den USA hat Cherundolo trotzdem nicht aus den Augen verloren. Im Gespräch mit t-online blickt er sorgenvoll gen Heimat, äußert sich zu einem möglichen WM-Boykott und gibt den Nationalspielern einen Tipp für den richtigen Umgang mit Donald Trump.
t-online: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Lage in Ihrer Heimat?
Steven Cherundolo: Ich mache mir große Sorgen, das vergangene Jahr war nicht einfach. Es geht nie gut aus, wenn eine Gesellschaft so gespalten, so polarisiert ist. Es ist bitter nötig, dass unsere Politiker die Menschen wieder zusammenführen. Im November stehen die nächsten Wahlen an, dann kommen wir einer Verbesserung der Lage näher.
Ist die USA im aktuellen Zustand ein angemessener Austragungsort für eine WM?
Ja, das Drumherum spielt keine Rolle. Es ist ein Sportevent, keine Politik. Ich sehe keinen Grund, warum das Turnier kein großer Erfolg werden sollte.
Neben den teils brutalen ICE-Einsätzen gibt es auch Einreiseverbote für Menschen mehrerer teilnehmender Nationen.
Ich bin kein Experte für die Ein- und Ausreise, da muss ich mich zurückhalten. Keiner weiß momentan so recht, wie genau das ablaufen wird.
In Deutschland wird seit einigen Wochen vage über einen WM-Boykott diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Jeder darf seine Meinung haben, das gehört zu einer Gesellschaft dazu. Ich hoffe aber, dass die Politik bei der WM keine Rolle spielt. Es soll um Fußball gehen.
Müssen die Spieler bei der WM ein Zeichen gegen Trump setzen?
Pauschal darf niemandem ein Maulkorb verpasst werden, es darf aber auch niemand zum öffentlichen Positionieren gezwungen werden. Jeder muss es für sich selbst wissen. Schon bei den Olympischen Spielen war zu sehen, dass es sehr individuell ist.
Müssen sich die Verbände positionieren?
Nicht jeder Verband ist politisch involviert, deshalb ist es von Nation zu Nation anders. Aber das ist eine Frage für die einzelnen Verbände, ich kann das schlecht beurteilen.











