
Cashback statt Geldautomat
Verbraucherzentralen warnen vor Bargeld-Engpass
05.01.2026 – 11:58 UhrLesedauer: 4 Min.
Noch ist es verfügbar, aber längst nicht mehr selbstverständlich. Ein neuer Trend im Einzelhandel wirft die Frage auf, wie lange die Versorgung mit Bargeld wirklich gesichert ist.
Bargeld ist unkompliziert, überall einsetzbar und hinterlässt keine Datenspur. Viele Kundinnen und Kunden greifen im Supermarkt noch immer ganz selbstverständlich zu Münzen und Scheinen. Genau deshalb ist für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) klar: Bargeld muss auch künftig flächendeckend verfügbar bleiben.
Doch aus Sicht der Verbraucherschützer geschieht bislang zu wenig, um diese Versorgung langfristig zu sichern. Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim vzbv, warnt: Die Bargeldversorgung sei in Deutschland zwar aktuell noch vergleichsweise gut, doch der Trend zeige klar in eine andere Richtung. „Wenn wir Bargeld erhalten wollen, dürfen wir die Hände jetzt nicht in den Schoß legen“, sagt Mohn. Selbst Länder wie Schweden, lange Vorreiter beim digitalen Bezahlen, stärkten ihre Bargeldinfrastruktur inzwischen wieder, ebenso Österreich, Belgien oder Lettland.
Während es in Deutschland immer schwieriger wird, an Bargeld zu kommen, suchen Verbraucher nach neuen Wegen. Einer davon führt direkt an die Supermarktkasse. Doch was bedeutet dieser Trend für den Handel und wie stabil ist das System tatsächlich?
Onlinebanking, Filialschließungen und der Abbau von Geldautomaten verändern den Alltag spürbar. Wer Bargeld braucht, findet den nächsten Automaten oft nicht mehr „um die Ecke“. Gleichzeitig etabliert sich eine Alternative: die Bargeldabhebung direkt beim Einkauf im Supermarkt oder in der Drogerie.
Der sogenannte Cashback-Service wird immer beliebter. Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI zeigen, wie stark der Trend ist: Während Händler 2019 noch rund 2,23 Milliarden Euro an Kundinnen und Kunden auszahlten, waren es 2023 bereits mehr als 12,3 Milliarden Euro. Besonders häufig bieten große Lebensmittelhändler wie Rewe, Edeka oder Kaufland diesen Service an, ebenso Drogerien wie dm und Rossmann sowie Baumärkte.
Für Verbraucher ist das bequem: Sie sparen sich den Weg zum Geldautomaten und verbinden Einkaufen und Bargeldversorgung in einem Schritt. Für den Handel hat diese Entwicklung jedoch eine Kehrseite.
Denn das Auszahlen von Bargeld ist für Händler nicht kostenlos. Pro Abhebung fallen laut EHI Gebühren zwischen 0,1 und 0,2 Prozent des ausgezahlten Betrags an. Allein im Jahr 2023 mussten Händler dafür rund 17,23 Millionen Euro an Banken zahlen – ein Plus von 25,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für das laufende Jahr rechnen Experten mit weiter steigenden Kosten.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Immer mehr Menschen heben Bargeld ab, zahlen ihren Einkauf aber gleichzeitig mit Karte. Dadurch fließt weniger Bargeld in die Kassen der Geschäfte zurück – mit möglichen Folgen für die Bargeldversorgung vor Ort.











