35.000 Fans feiern die Toten Hosen bei ihrem wohl letzten Auftritt in Hamburg. Drei überraschende Gäste krönen einen Abend, der sich kaum nach Abschied anfühlt.
Und das soll es jetzt wirklich gewesen sein zwischen Hamburg und den Toten Hosen? Schwer zu glauben, wenn man an diesem Donnerstag unter den rund 35.000 Menschen auf der rappelvollen Trabrennbahn in Bahrenfeld steht. Es ist ein lauer Sommerabend: warm, leicht bewölkt, ein wenig windig – einfach angenehm.
Traurigkeit liegt jedenfalls nicht in der Luft. Dafür sorgt schon Campino. Der 64-Jährige ist immer noch der Mittelpunkt der Toten Hosen, gibt den Ton an und treibt seine Band durch einen energiegeladenen Abend. „Wunderschönen guten Abend, Hamburg! Wir sind aus Düsseldorf, wir sind die Jungs von der Opel-Gang“, schreit er zum Auftakt ins Mikrofon. Danach macht die Band mit „Die Show muss weitergehen“ sofort klar, was sie von allzu großer Abschiedsmelancholie hält.
Fans feiern letzte Tour der Toten Hosen
Ist das, was die Hosen machen, noch Punkrock oder längst Kommerz und Ausverkauf? Kritiker und Fans streiten darüber seit Jahrzehnten und werden das wohl auch noch tun, wenn sich die Toten Hosen am Ende ihrer letzten großen Tour in die Rocker-Rente verabschiedet haben. Den Musikern und dem Hamburger Publikum ist das herzlich egal. Man will noch einmal Spaß miteinander haben – falls es denn tatsächlich das letzte Auswärtsspiel der Düsseldorfer in der Hansestadt ist.
Das gelingt mühelos. Reichlich Fortuna-Flaggen wehen über den Köpfen der Fans, ab und an leuchten Bengalos auf. Musikalisch setzen die Hosen auf das, was sie seit Jahrzehnten beherrschen: Gitarren brettern nach vorn, das Schlagzeug treibt an, dazwischen bleibt kaum Zeit zum Durchatmen.
Auf der Setlist arbeitet sich die Band durch mehr als 40 Jahre Geschichte. Gleich zu Beginn liefern Campino und Kollegen mit „Opel-Gang“, „Auswärtsspiel“ und „Du lebst nur einmal“ drei absolute Mitgrölklassiker. Schnell zeigt sich, wer hier wirklich textsicher ist. Im Hauptteil folgen Songs wie „Laune der Natur“, „Das Mädchen aus Rottweil“, „Bonnie & Clyde“, „Wie viele Jahre“, „Altes Fieber“, „Paradies“ oder „Europa“.
Campino fällt ins Publikum
Auch nach 44 Bandjahren versprühen die Toten Hosen reichlich Spielfreude, zugleich merkt man ihnen die Routine (positiv) an. Nur einmal geht etwas schief. Bei „Wannsee“ lässt sich Campino ins Publikum fallen, doch das ist von der spontanen Einlage überrascht und fängt ihn nicht auf. Der 64-Jährige landet etwas unsanft auf dem Hosenboden, steht aber schnell wieder auf der Bühne. Glück gehabt.











