Interner Brandbrief an AfD-Führung

„Zustände erinnern an Nordkorea“


Aktualisiert am 07.05.2026 – 17:24 UhrLesedauer: 3 Min.

AfD-Co-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla im Bundestag (Archivbild): Beim Bundesvorstand ging scharfe Kritik am Vizechef der Bundestagsfraktion ein. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen/imago)

Rüdiger Klos greift seinen Parteikollegen Markus Frohnmaier intern scharf an. Er wirft der AfD-Landesführung in Baden-Württemberg undemokratische Abläufe und Vetternwirtschaft vor.

Der scheidende AfD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Klos hat in einem siebenseitigen Brief schwere Vorwürfe gegen die Führung des Landesverbands Baden-Württemberg erhoben. Das Schreiben ist an die Mitglieder des Bundesvorstands gerichtet und liegt t-online vollständig vor. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Im Mittelpunkt der Kritik steht Markus Frohnmaier, Co-Landeschef der AfD Baden-Württemberg und stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Auch dessen Co-Landeschef Emil Sänze und der Landesvorstand werden in dem Schreiben angegriffen. Klos wirft ihnen unter anderem Verleumdung, Wählertäuschung sowie Verstöße gegen Satzungen, Statuten und das Grundsatzprogramm vor. „Wie immer stinkt der Fisch vom Kopfe“, schreibt Klos.

Klos war nach eigenen Angaben Gründungsmitglied des Landesverbands, jahrelang Mitglied im Landesvorstand und zehn Jahre Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. In dem Brief betont er, er habe schon vor Jahren erklärt, nicht für eine dritte Legislatur zur Verfügung zu stehen. Nach Darstellung der Parteispitze sei Klos dagegen nicht mehr aufgestellt worden und deshalb enttäuscht, berichtete der „Spiegel“.

Ein zentraler Punkt ist Frohnmaiers Aufstellung als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten. Die Landesvorsitzenden hätten Frohnmaiers Kandidatur Wochen vor der Aufstellungsversammlung öffentlich gemacht und damit „in grob undemokratischer und rechtswidriger Weise“ Fakten geschaffen, schreibt Klos. Die spätere Abstimmung nennt er eine „Farce“; eine Liste mit 60 Kandidaten sei durchgewählt worden, ohne dass zweimal Kandidaten für denselben Listenplatz angetreten seien. Das belege, „dass alles ein abgekartetes Spiel war“.

Klos verbindet die Kritik mit dem Ergebnis der Landtagswahl im März. Frohnmaier holte mit der AfD 18,8 Prozent. Laut Klos hatte Frohnmaier zuvor unter anderem „Mindestens 20% + X“, die stärkste Fraktion und das Amt des Ministerpräsidenten als Ziele ausgegeben. „Keines der Wahlziele wurde erreicht“, schreibt Klos.

Auch persönlich greift Klos Frohnmaier an. Er beschreibt ihn als „eine Person, die noch nie berufstätig war, keinerlei Lebensleistung erbracht hat, keine Ausbildung hat“. Den Wahlkampf nennt Klos eine „substanzlose infantile Selbstbeweihräucherung“. Die AfD habe einen anderen, wählbaren Kandidaten gebraucht.

Weitere Vorwürfe richten sich gegen die innerparteilichen Strukturen. Klos schreibt von „Vetternwirtschaft, Nepotismus und Korruption“ und nimmt dabei besonders Frohnmaier in den Blick. Die Landtagsfraktion habe schon 2018 eine Gesetzesinitiative gegen solche Praktiken eingebracht. Frohnmaier habe nach Klos‘ Darstellung gegen diese Linie verstoßen und die Partei „massiv in Misskredit“ gebracht.

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