
Alles rund um die Debatte
So wahrscheinlich ist ein WM-Boykott wegen Trump
21.01.2026 – 10:58 UhrLesedauer: 3 Min.
„Feuer mit Feuer“ bekämpfen, US-Präsident Donald Trump in Verlegenheit bringen: Der Konflikt um Grönland hat auch die Fußball-WM 2026 erreicht. Wie wahrscheinlich ist ein Boykott?
Inmitten des Konflikts zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Ansprüchen auf Grönland holt den Fußball eine bekannte Debatte ein. In Deutschland und Großbritannien werden in der Politik Stimmen laut über einen Boykott der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Der US-Präsident hatte das Turnier im Sommer (11. Juni bis 19. Juli) schon vor Wochen für seine Zwecke genutzt.
In Deutschland hatte sich unter anderem CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt ausführlich geäußert. Für den Fall einer Annexion Grönlands durch die USA könne er sich nicht vorstellen, im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußballfest zu feiern, sagte er im Deutschlandfunk. Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die Europäer überprüfen müssten, „ob man an solchen Spielen teilnehmen kann“. Er gehe aber fest davon aus, dass es dazu nicht komme, sondern dass Trump von seinem Plan absehe.
In Großbritannien äußerte sich unter anderem das konservative Parlamentsmitglied Simon Hoare. Die Regierung müsse „Feuer mit Feuer“ bekämpfen und Trump entschieden entgegentreten. Den geplanten Besuch von König Charles III. in den USA stellte er aus denselben Gründen infrage. Trump müsse da getroffen werden, wo es ihm wehtue – bei seinem Ego. Der US-Präsident sei „dünnhäutig“ und möge es nicht, in Verlegenheit gebracht zu werden.
Für Trump ist die Fußball-WM eine riesige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit – auch wenn er mit „Soccer“ bislang eigentlich nicht viel zu tun hatte, die Grenze zu Co-Gastgeber Mexiko gerne komplett schließen, und Kanada am liebsten in die USA einverleiben würde. Die WM-Ausrichtung ist ein riesiges Prestigeprojekt.
Zwischen dem US-Präsidenten und FIFA-Chef Gianni Infantino hatte sich schon weit vor dem Grönland-Konflikt eine besondere, teils sehr kritisch bewertete Dynamik ergeben. Während der WM-Auslosung im Dezember hatte Infantino kumpelhaft den sogenannten FIFA-Friedenspreis an den US-Präsidenten übergeben, der gerne offiziell den Friedensnobelpreis gewonnen hätte. Kommentaren in den sozialen und klassischen Medien zufolge empfanden viele Menschen das Schauspiel auf der FIFA-Bühne als befremdlich.
Die FIFA hatte zur Kritik an der Nähe zu Trump mitgeteilt, dass Infantino als Präsident „gute Beziehungen“ zu den Staatschefs der Gastgeberländer haben müsse, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu gewährleisten.
Tatsächlich scheint ein wohlgesinnter Trump eine essenzielle Bedeutung für die Ausrichtung des Turniers mit 48 Mannschaften zu haben. Mit der Drohung, unliebsamen, weil demokratisch geführten Städten die Spiele wieder zu entziehen, hatte der Republikaner für Aufregung gesorgt. Auch bei der WM 2018 in Russland (Wladimir Putin) und 2022 in Katar (Emir Tamim bin Hamad Al Thani) hatte sich die FIFA in ähnliche, auf Personen bezogene Abhängigkeitsverhältnisse gestürzt.









