
Neue US-Zölle
„Dann wird schlicht nicht mehr gekauft“
Aktualisiert am 21.01.2026 – 18:26 UhrLesedauer: 4 Min.

Die deutsche Industrie ringt nach Jahren der Stagnation um eine Trendwende. Jetzt gelingt zwar wieder etwas Wachstum, doch der Industrieverband sieht dunkle Wolken aufziehen.
Die deutsche Industrie befindet sich nach Jahren der Schwäche im „freien Fall“. So hat BDI-Präsident Peter Leibinger am Dienstag in Berlin die Krise der produzierenden Unternehmen beschrieben. Für die Zukunft zeigte er sich jedoch vorsichtig optimistisch. 2026 werde darüber entscheiden, „ob wir nach Jahren der Stagnation die Basis für einen nachhaltigen Aufschwung legen“.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum der Gesamtwirtschaft von einem Prozent. Die Industrie werde jedoch voraussichtlich schwächer wachsen als die Gesamtwirtschaft, so der Verband.
Leibinger sprach von einer weiterhin fragilen Lage. „Die Dauer der Krise ist viel gravierender als die Tiefe der Krise“, sagte er. Unternehmen, die über mehrere Jahre hinweg Rückgänge verkraften müssten, kämen zunehmend an ihre Substanz. Bereits seit 2018 befinde sich die Industrieproduktion in einem Abwärtstrend. „Wenn sich dieser Schwund noch einmal fünf Jahre fortsetzt, dann wird das industrielle Ökosystem in Deutschland nicht mehr intakt sein“, warnt Leibinger.
Das erwartete Plus von einem Prozent wäre nach drei Jahren nahezu ohne Wachstum ein Hoffnungssignal. Getrieben werde es allerdings vor allem durch staatliche Ausgaben, etwa für Infrastruktur und Verteidigung. Ohne diese Impulse würde Deutschland weiter stagnieren, machte Leibinger deutlich. Private Investitionen blieben dagegen zurückhaltend, auch wegen der unsicheren internationalen Lage.
BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner verwies auf die niedrige Auslastung der Produktionskapazitäten. Zu Beginn des vierten Quartals 2025 seien sie nur zu gut 78 Prozent ausgelastet gewesen, deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. „Maschinen stehen still, Produktionspotenzial bleibt ungenutzt, Investitionen werden aufgeschoben, Beschäftigung wird abgebaut“, sagte Gönner. Die Industrie befinde sich inzwischen in der längsten Phase der Unterauslastung seit Jahren.
Zusätzliche Risiken kommen aus den USA. Präsident Donald Trump hat angekündigt, ab dem 1. Februar Strafzölle auf Waren aus Deutschland und anderen europäischen Nato-Staaten zu verhängen. Ziel ist es, politischen Druck im Streit um Grönland auszuüben. In der Wachstumsprognose des BDI sind diese möglichen Zölle noch nicht berücksichtigt.










