Stammzelltherapien, Handelskrieg, Nahost-Krise: Bayer-Chef Bill Anderson spricht im Interview mit t-online über die Zukunft der Medizin, die Risiken und Chancen für den globalen Pharma- und Chemiekonzern.
In Wuppertal arbeitet Bayer an der Medizin der Zukunft. Vor fast 130 Jahren wurde dort Acetylsalicylsäure entdeckt und synthetisiert – der Wirkstoff, auf dem Aspirin basiert. Heute forscht der Pharmakonzern an neuartigen Therapien gegen schwere Erkrankungen. Im Fokus stehen Zell- und Gentherapien, die in der Kardiologie, Onkologie und Neurologie neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen sollen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stammzelltherapie, die als Hoffnungsträger für bislang kaum behandelbare Krankheiten gilt, etwa Parkinson.
Doch während Bayer in Wuppertal an medizinischen Durchbrüchen arbeitet, steht der Konzern weltweit unter Druck. Vorstandschef Bill Anderson, der Bayer seit 2023 führt, muss das Unternehmen durch einen geopolitischen Sturm, Handelskriege und die wohl größte Krise der Konzerngeschichte steuern.
t-online traf Anderson in Wuppertal – zum Gespräch über die medizinischen Hoffnungen des Konzerns, aber auch über die politischen und wirtschaftlichen Risiken, die Bayer derzeit weltweit herausfordern: der Handelskonflikt mit den USA, Andersons Heimatland sowie die Blockade der Straße von Hormus.
t-online: Herr Anderson, wie stark treffen der Handelskonflikt mit den USA, die Kriege in der Ukraine und im Iran sowie die Blockade der Straße von Hormus das Geschäft von Bayer?
Bill Anderson: Unser Fokus ist, dass wir jeden Tag hart daran arbeiten, unsere Produkte für Patienten, Landwirte und Verbraucher überall auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen. Wir müssen Engpässe vermeiden und sicherstellen, dass unsere Produkte für Gesundheit und Ernährung ihr Ziel erreichen. Wenn Staaten miteinander in Konflikt geraten, wird diese Aufgabe natürlich schwieriger.
Befürchten Sie Lieferengpässe?
Nicht so sehr für Bayer direkt, längere Lieferunterbrechungen hatten wir bislang nicht. Aber indirekt kann der Krieg im Iran auch Folgen für uns haben.

Eine unserer wichtigsten Kundengruppen sind Landwirte – und durch sie geht es letztlich um alle Menschen, da sie landwirtschaftliche Produkte konsumieren. Durch die Straße von Hormus läuft rund ein Drittel des Welthandels mit stickstoffbasiertem Dünger. Bleibt die Route blockiert, kann das schon im Herbst zu deutlich geringeren Ernten auf der Nordhalbkugel führen. Das hätte auch Auswirkungen für uns, obwohl Bayer gar keinen Dünger herstellt oder vertreibt.
- „Das ist ein massiver Standortnachteil“ – Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Bill Anderson












