Protest an der Zapfsäule in Indien
Neuer Treibstoff zerfrisst Motoren und leert Geldbörsen
20.08.2026 – 16:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit April verkaufen indische Tankstellen nur noch ein einziges Benzin-Ethanol-Gemisch. Millionen Fahrer bangen um ihre Motoren, fürchten hohe Kosten und gehen auf die Straße.
Der Widerstand in Indien gegen den staatlich verordneten Treibstoff E20 wächst rasant. Autofahrer, Oppositionelle und sogar Wirtschaftsberater der Regierung protestieren gegen das Programm.
Delhi will Abhängigkeit vom Ölmarkt brechen
Die Führung in Delhi will mit einem 20-prozentigen Ethanol-Zusatz die Abhängigkeit vom internationalen Ölmarkt brechen. Denn Indien ist zwar reich an Bodenschätzen, besitzt aber kaum eigene Erdölvorkommen. Das Land importiert vier Fünftel seines Bedarfs aus dem Nahen Osten.
Zudem verbrennt Ethanol sauberer als reines Benzin. Das soll den Dauersmog in Millionenstädten wie Delhi lindern.

Der neue Sprit zerfrisst Motoren
Doch viele Autofahrer zahlen drauf. Denn E20 liefert etwas weniger Energie als reines Benzin. Die Folge: Der Kraftstoff bewirkt eine geringere Reichweite. Trotzdem kostet das Gemisch an den Zapfsäulen so viel wie das alte Benzin. Das ist ungewöhnlich. Denn in Brasilien oder den USA ist Biosprit deutlich günstiger als herkömmliches Benzin.
Hinzu kommt die Gefahr für die Technik: Der höhere Alkoholanteil zerfrisst Gummidichtungen und Kunststoffteile in Pumpen, Filtern und Leitungen.
Zwar vertragen moderne Autos mindestens seit dem Baujahr 2023 das Gemisch problemlos. Ältere Wagen und Motorräder machen jedoch 77 Prozent aller benzinbetriebenen Fahrzeuge in Indien aus. Viele ihrer Besitzer müssen nun hohe Werkstattrechnungen für die Umrüstung bezahlen.
E20 bald auch in Deutschland
Ab 2027 kommt die Sorte E20 flächendeckend auf den deutschen Markt. Die EU-Kommission passt derzeit die Richtlinien an. E20 soll auch hier den CO2-Ausstoß der Autoflotte senken. Alles Wichtige im Überblick.
Regierung streicht die Alternativen
Ausweichen können sie nicht. Die Regierung hat reines Benzin und das alte E10-Gemisch komplett gestrichen. Mehrere Sorten parallel anzubieten, sei logistisch zu kompliziert, so die offizielle Begründung.
Kritiker widersprechen und verweisen auf Brasilien: Dort wählen Autofahrer seit Jahrzehnten flexibel an der Zapfsäule.

Opposition wirft Modi Einknicken vor
Der Streit hat inzwischen die Politik erreicht. Oppositionsführer Rahul Gandhi wirft der Regierung vor, den Bürgern den Sprit aufzuzwingen. Arvind Kejriwal, Chef einer Oppositionspartei, führte einen großen Protestzug durch Delhi.
Er bezichtigt Premierminister Narendra Modi, auf Druck der USA zu handeln. Washington wolle Indien eigenes Ethanol und Gen-Mais verkaufen. Die Sprit-Pflicht sei deshalb ein verdecktes Handelszugeständnis.
Die Führung in Delhi blockte die Kritik anfangs ab. Inzwischen räumt sie zwar ein, dass ältere Motoren streiken und die Reichweite schrumpfen kann. Behörden verweisen jedoch auf den Fahrstil oder die Klimaanlage als weitere Faktoren für den Verbrauch.









