Sensation im Block-Prozess
Die Frau, die sie „Olga“ nannten
19.05.2026 – 20:34 UhrLesedauer: 3 Min.
Am Mittwoch wird eine brisante Aussage vor Gericht erwartet: Die mutmaßliche Mitentführerin Keren T. soll aussagen.
Dieser Tag vor Gericht könnte für Christina Block einer der schwersten werden. Wie das Gericht mitteilte, soll die mutmaßliche Mitentführerin Keren T. aussagen. Und zwar nicht per anonymer Videoschalte aus Israel: Nach derzeitigem Stand geht das Gericht davon aus, dass sie persönlich zur Vernehmung erscheinen wird. Block kannte Keren T. nicht unter ihrem richtigen Namen. Im Hotel Grand Elysée war sie als Doris White eingecheckt. Für Christina Block war sie „Olga“ – eine Vertraute, eine Freundin in einer verfahrenen Situation.
Im Prozess gegen die Hamburger Unternehmerin spielt „Olga“ seit Monaten eine zentrale Rolle. Immer wieder fällt ihr Name im Gerichtssaal. Die Frau soll Teil des Trupps der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupula gewesen sein – jenem Unternehmen, das laut Staatsanwaltschaft an der Entführung von Blocks beiden Kindern beteiligt gewesen sein soll.
Christina Block soll Entführung beauftragt haben
Die Anklage wirft Christina Block vor, die Entführung ihrer Kinder aus Dänemark organisiert oder zumindest in Auftrag gegeben zu haben. Hintergrund ist ein jahrelanger Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel. Die beiden Kinder lebten damals bei ihrem Vater im dänischen Gråsten. In der Silvesternacht 2023/2024 ist Hensel niedergeschlagen worden, die Kinder wurden gewaltsam nach Süddeutschland verbracht. Dort holte sie Christina Block ab. Den Weg dahin soll „Olga“ ihr gewiesen haben.
Kennengelernt haben sich Block und „Olga“ nach Angaben der Unternehmerin Anfang 2023. Der Kontakt entstand über Cyber Cupula Operations GmbH, eine Sicherheitsfirma mit Sitz in Hamburg. Das Unternehmen bietet laut eigener Darstellung Dienstleistungen im Bereich Cybersicherheit an. Nach Aussage von Block sei die Firma auch genau dafür angeheuert worden. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollen jedoch Mitarbeiter der Firma an der mutmaßlichen Entführung beteiligt gewesen sein.
„Olga“ als Trösterin
Vor Gericht beschrieb Christina Block die Beziehung zu „Olga“ ausführlich. Sie sei immer für sie da gewesen, sagte Block bereits in einer früheren Einlassung. „‚Olga‘ wirkte auf mich wie die Mutter der Kompanie. Ich war einfach nur froh, dass sie mir zuhörte“, berichtete Block damals. Für sie sei die Frau weit mehr als nur eine Mitarbeiterin eines Sicherheitsunternehmens gewesen. Im Sommer 2025 sagte Block ernüchtert vor Gericht: „Mit meiner Angst konnte man ein perfektes Geschäft machen. Ich war das perfekte Opfer.“
Nach Blocks Darstellung zeigte „Olga“ früh großes Interesse an ihrer familiären Situation. Block erklärte außerdem, sie habe „Olga“ mit Recherchen zu den Social-Media-Profilen ihrer Kinder beauftragt. Mitte Dezember 2023, also nur wenige Wochen vor der Entführung, habe Block der Israelin ein psychologisches Rückführungskonzept geschickt, das der anerkannte Psychologe R., der ebenfalls als Zeuge im Prozess aussagt, erstellt habe. Dazu schrieb sie die Worte: „I think you can use it“, zu Deutsch: Ich denke, du kannst das gebrauchen.












