
Deutsche, britische und schließlich auch italienische Kriegsschiffe sollten den entsprechenden Forderungen Nachdruck verleihen: Es artete schließlich unter anderem in einer Seeblockade, der Beschlagnahme wie Versenkung venezolanischer Kanonenboote, dem Beschuss von Forts und einem äußerst aggressiv-rustikalem Auftreten deutscher Militäreinheiten zu Land aus. Die Venezuela-Krise der Jahre 1902 und 1903 spitzte sich zu. Erst recht, als die deutschen Schiffe „Vineta“ und „Panther“ Fort San Carlos attackierten. Es war eine Revanche, nachdem die dortigen Soldaten Tage zuvor die „Panther“ beschossen hatten, als das Schiff weiter auf venezolanisches Territorium vordringen wollte.
Gerade die aggressiven Aktionen der Deutschen gegenüber Venezuela sorgten für mehr und mehr Unmut in der US-amerikanischen, aber auch internationalen Öffentlichkeit. Zumal Theodore Roosevelt dem Kaiser und seiner Regierung zunehmend misstraute. Eine rote Linie hatte der US-Präsident den Deutschen genannt, die sie im Einsatz gegen Venezuela nicht überschreiten dürften: Auf keinen Fall sollten sie dort Land in Besitz nehmen. Aber würden die Deutschen sich daran halten? Der Zweifel wuchs, das Misstrauen im Weißen Haus nahm zu.
Als James Monroe 1823 seine Doktrin vom „Amerika den Amerikanern“ verkündet hatte, war sie eher symbolischer Natur. Zu klein, zu schwach waren die USA damals noch gewesen. Anfang des 20. Jahrhunderts sah die Lage anders aus. Die USA waren zweifelsohne zu einer Großmacht herangewachsen, mit der man sich besser nicht ohne Weiteres anlegte. Deutschland, unter seinem an großen Sprüchen nie sparenden Kaiser, plante gleichwohl bereits Operationspläne für einen möglichen Krieg mit den Vereinigten Staaten.
Soweit sollte es nicht kommen. Auch, weil der britische König Edward VII. wenig Sinn in einer weiteren Eskalation sah. Sein Neffe, Kaiser Wilhelm II., war empört: „Das ist ja eine unmögliche Zumuthung!“ Trotzdem stimmte er Mitte Februar 1903 der Aufhebung der Seeblockade Venezuelas zu. Kurz zuvor hatten sich die Streitparteien unter Vermittlung der USA in den Washingtoner Protokollen geeinigt, wie in der Schuldenfrage gütlich weiter vorgegangen werden sollte.
Für die USA und Lateinamerika sollte die Venezuela-Krise 1902/03 aber noch Folgen haben. 1904 entwickelte Roosevelt die Monroe-Doktrin mit der „Roosevelt Corollary“ fort: Darin behalten sich die Vereinigten Staaten das Recht vor, lateinamerikanischen Ländern, die durch „chronisches Fehlverhalten“ oder ein „Unvermögen“ auffallen, durch „internationale Polizeigewalt“ zur Räson zu bringen. Was das bedeutet, hat Venezuela am 3. Januar 2026 durch die US-Militäraktion in seiner Hauptstadt Caracas erfahren.











