
Bose stellt Support ein
Smarte Lautsprecher werden dumm: Kunden frustriert
Aktualisiert am 10.01.2026 – 10:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Lautsprecherhersteller Bose stellt den App-Support seiner Soundtouch-Reihe ein – nur etwas später als geplant. Kunden sind frustriert.
Eigentlich sollte das Vernetzungs-Aus für viele sogenannte Smart Speaker von Bose bereits Mitte Februar kommen. Doch nun kündigt der Hersteller an, den Support für die Soundtouch-Serie bis zum 6. Mai 2026 zu verlängern. Erst ab diesem Tag wird die zugehörige App auf eine neue Version aktualisiert, die keine Onlinedienste mehr unterstützt. Die Umstellung geschieht automatisch beim nächsten Öffnen der Anwendung. Nutzer müssen nichts aktiv tun – sie können aber auch nichts daran ändern.
Für viele Besitzer dürfte das kommende Update einschneidend sein: Die bislang über das Internet nutzbaren Funktionen der Soundtouch-App – etwa das Abspielen von Spotify, TuneIn oder Amazon Music direkt aus der Anwendung – fallen ersatzlos weg. Auch die sogenannten Presets, also Voreinstellungen auf bestimmten Tasten der App oder des Geräts, werden nicht mehr funktionieren.
Weiterhin nutzbar bleiben dagegen lokale Schnittstellen wie Bluetooth, Airplay, Spotify Connect sowie klassische Eingänge per AUX-Kabel. Auch die App lässt sich in Teilen weiterverwenden – allerdings nur zur Steuerung der lokal abgespielten Musik (Play, Pause, Lautstärke, Überspringen) oder zum Koppeln mehrerer Lautsprecher.
Bose verweist auf das Alter der betroffenen Geräte: Die ersten Soundtouch-Modelle kamen 2013 auf den Markt. Seither habe sich die Technik grundlegend verändert. Die Aufrechterhaltung der alten Cloud-Infrastruktur sei nicht mehr wirtschaftlich, heißt es sinngemäß. Man wolle sich künftig auf neue Plattformen und moderne Hörerlebnisse konzentrieren – sprich: auf die aktuellere Bose Music App und deren Ökosystem, das seit 2018 auf dem Markt ist.
Die Reaktionen auf den Schritt fallen teils deutlich aus. In Foren wie Reddit äußern sich laut „heise.de“ langjährige Nutzer enttäuscht oder wütend – vor allem jene, die viel Geld in das Multiroom-System investiert haben. Die Geräte kosteten einst zwischen 200 und 1.500 US-Dollar, waren oft Bestandteil größerer Heimkino- oder Musik-Setups. Dass sie nun zentrale Funktionen verlieren, empfinden viele als eine Form von „geplanter Obsoleszenz“ – also vorzeitiger technischer Entwertung.
Dabei ist Bose kein Einzelfall. Auch bei Sonos oder Logitech hatten vergleichbare Maßnahmen in der Vergangenheit für Kritik gesorgt: neue Apps, fehlende Kompatibilität, abgeschaltete Server. Die Folge ist immer dieselbe – Geräte, die als „smart“ verkauft wurden, verlieren ihre Intelligenz.
Das Thema beschäftigt längst nicht nur Technikforen, sondern zunehmend auch Verbraucherschützer: Denn viele Smart-Home-Geräte sind ohne Onlinedienste kaum mehr nutzbar – oder werden durch ein Herstellerupdate mit einem Schlag funktionsarm. Wer Lautsprecher, Thermostate oder Lichtsysteme kauft, geht oft ein zeitlich begrenztes Nutzungsversprechen ein – ohne es zu wissen.
Entwickler dürfen selbst Hand anlegen
Ungewöhnlich für einen Hersteller: Bose hat zugleich alle technischen Spezifikationen und Schnittstellen der Soundtouch-Reihe veröffentlicht. Ziel ist es laut eigener Aussage, unabhängigen Entwicklerinnen und Entwicklern die Möglichkeit zu geben, eigene Tools und Anwendungen für die Geräte zu schreiben. Das könnte bedeuten: neue Steuerungs-Apps, vielleicht sogar ein Ersatz für die Onlinefunktionen – allerdings nicht offiziell von Bose unterstützt.











