
Bundesanwaltschaft
Angriff auf Berliner Stromnetz: Bundesanwaltschaft ermittelt
Aktualisiert am 06.01.2026 – 18:48 UhrLesedauer: 3 Min.
Zehntausende Berliner Haushalte sind seit Tagen ohne Strom. Die Behörden gehen von einem linksextremistischen Anschlag aus. Nun schalten sich Deutschlands oberste Strafverfolger ein.
Drei Tage nach dem mutmaßlich linksextremistisch motivierten Brandanschlag auf die Stromversorgung in Teilen Berlins hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.
Der Brandanschlag hat in der Hauptstadt zum bislang längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte geführt. Viele Tausende Menschen müssen weiterhin ohne Strom und Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft Berlin Stromnetz, Bernhard Büllmann, versicherten ihnen, dass sie bis Donnerstag wieder mit Strom versorgt werden.
Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke am Teltowkanal waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Am Dienstag, Tag vier des Blackouts, waren noch rund 25.000 Haushalte und 1.200 Geschäfte sowie Firmen nach Angaben des Betreibers ohne Strom.
Die Polizei ermittelt weiter, wer hinter dem Brandanschlag steckt. Nach Zeugenaufrufen seien Hinweise im „mittleren zweistelligen Bereich“ eingegangen, sagte Polizei-Vizepräsident Marco Langner. Acht davon seien erfolgversprechend. Zudem habe die Polizei mehrere Hundert Stunden Videomaterial sichergestellt.
Seit Sonntag steht für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben sei authentisch, so die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD). In einer Pressekonferenz sprach sie – wie zuvor auch Bürgermeister Kai Wegner (CDU) – von „Linksterrorismus“. Die Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen.
Das lange Bekennerschreiben der sogenannten Vulkangruppe trägt die Überschrift „Den Herrschenden den Saft abdrehen“. Darin steht unter anderem: „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört“. Das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei „erfolgreich sabotiert“ worden. „Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft.“
Die „Vulkangruppen“ sollen seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf wichtige Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen haben, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu.










