Angriff auf AfD-Mann
Blut-Shirt ist echt, doch es zeigt nicht, was viele denken
Aktualisiert am 23.06.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 5 Min.

Ein AfD-Landtagsabgeordneter berichtet von einem Überfall auf sich und verbreitet ein erschreckendes Foto. Das Bild vom T-Shirt ist echt, zeigt aber dennoch nicht, was viele vermuten.
Selten dürfte ein Schiesser-Shirt so sehr die Fantasie beflügelt und Verschwörungstheorien ausgelöst haben wie das Textil mit V-Ausschnitt des Rostocker AfD-Landtagsabgeordneten Michael Meister. Am Montag lag es in den Räumen der AfD-Landtagsfraktion in Schwerin bereit, um herausgeholt und Journalisten präsentiert zu werden.
Denn das Shirt hat in den vergangenen Tagen mehr Aufmerksamkeit erregt als der Anlass: Meister hatte sich bei der Polizei gemeldet und von einem Angriff berichtet, hinter dem er mutmaßliche Linksextremisten vermutet. Meister konnte nach ambulanter Behandlung ein Krankenhaus wieder verlassen. Nach dem, was er der Polizei zum Hergang schilderte, hatte er bei dem Zwischenfall noch Glück. Es wird auf Grundlage seiner Schilderungen wegen versuchten Mordes ermittelt.
Meister gab an, am späten Mittwochabend vor seinem Haus plötzlich einen Stoß am Rücken gespürt zu haben: Dort habe ein Laptop in seinem Rucksack offenbar einen heimtückischen Angriff mit einem spitzen Gegenstand gestoppt. Die Angreifer – zwei Männer – hätten aber nicht abgelassen. Meister berichtete von Schlägen und einer Verletzung am Arm durch den spitzen Gegenstand. Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang, von Zeugen des Vorfalls ist bisher nichts bekannt. Meister zufolge war er bei dem Vorgehen als „AfD-Nazi“ tituliert worden.
Medien gaben unterschiedliche Quellen an
Während auch Vertreter anderer Parteien in Mecklenburg Angriffe auf Politiker verurteilten, ging es im Netz kurz darauf darum, ob die Geschichte ein Fake ist. Das liegt vor allem an Fotos: Eines zeigt einen linken Arm, den Angaben nach Meisters Arm, mit einem großflächigen Pflaster – und das andere das blutdurchtränkte Shirt. Blutflecken finden sich nicht nur seitlich und im Brustbereich, sondern auch der Rücken scheint teilweise durchtränkt zu sein – also an Stellen, an denen Meister nicht verletzt wurde.
Das Bild tauchte schnell auf verschiedenen rechten und eher rechten Medienseiten auf, aber die Quellenangaben nährten weitere Zweifel: „Privat“ schrieb die „Junge Freiheit“ in ihrem Online-Artikel, „Picture Alliance“ in Kacheln für Social Media. In der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ fand sich dann der Rostocker Blaulichtreporter Thomas Tretropp als Quelle und bei „Apollo News“ stand sogar „Symbolbild“. Die Redaktion erklärte das damit, das dort tatsächlich zunächst ein anderes Foto als Symbolbild gestanden hatte, das ausgetauscht wurde, ohne den Fotoverweis zu ändern. Das ist behoben***, sorgte aber für weitere Verwirrung.










