
Er soll Kinder zum Suizid überredet haben
Kurz vor Prozessbeginn: „White Tiger“ wurde in U-Haft verprügelt
Aktualisiert am 09.01.2026 – 11:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Er soll Kinder und Jugendliche dazu gebracht haben, sich selbst zu verletzen – in einem Fall bis hin zum Suizid. Der 21-Jährige nannte sich „White Tiger“ und sollte ab Freitag in Hamburg vor Gericht stehen. Kurz vor Prozessbeginn wurde er nun attackiert.
Wenige Stunden vor Beginn des „White Tiger“-Prozesses ist der 21-jährige Angeklagte in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg von Mithäftlingen verprügelt worden. Das teilte seine Anwältin der Deutschen Presse-Agentur mit. Ob der Prozess wie geplant am Freitag beginnen könne, sei noch unklar.
Der Angeklagte war am Donnerstag von der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand nach Hamburg in eine Sammelzelle des Untersuchungsgefängnisses gebracht worden. Dort hätten einige der Insassen erst seine Uhr verlangt und dann auf ihn eingeschlagen, erklärte seine Anwältin.
Eine Gesichtshälfte des jungen Mannes sei stark geschwollen. Er soll nun zahnmedizinisch und allgemein-medizinisch untersucht werden. Die Anwältin erklärte, sie habe ihren Mandanten am Freitag noch nicht gesehen und wolle bei einem Treffen erst prüfen, ob er verhandlungsfähig ist.
Der Prozess vor dem Landgericht Hamburg sollte am Freitag um 12 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit beginnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten mehr als 200 Straftaten vor. Als Opfer werden über 30 Kinder und Jugendliche unter anderem aus Deutschland, England, Kanada und den USA benannt. Eine junge Finnin wurde als Nebenklägerin zugelassen.
„White Tiger“ soll der Kopf einer Gruppe von Cyberkriminellen gewesen sein, die aus sexueller Motivation heraus Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren im Internet zu Gewalt gegen sich selbst gezwungen haben. Dabei soll er besonders verletzliche Kinder in sozialen Medien emotional von sich abhängig gemacht haben, um die von ihm initiierte starke Verbundenheit unter anderem für die Erstellung kinder- und jugendpornografischer Aufnahmen auszunutzen.
Um Forderungen des Beschuldigten nach immer heftiger werdenden Inhalten nachzukommen, verletzten sich die Kinder laut Anklage in Livechats unter den Augen von Zuschauern selbst erheblich oder übten sexuelle Handlungen an sich aus. Hiervon soll „White Tiger“ Aufzeichnungen gefertigt haben, um den Kindern anschließend mit deren Veröffentlichung zu drohen, sollten diese sich nicht noch gravierendere Selbstverletzungen vor laufender Kamera zufügen.
Die Vorwürfe gegen ihren Mandanten bezeichnete die Anwältin als haltlos. Die Anklage, wirft dem Mann mittelbare Täterschaft vor. Das heißt, er soll seine Opfer dazu überredet haben, sich selbst zu töten. In einem Fall, bei einem 13-jährigen Jungen aus den USA, ist ihm das laut Anklage auch gelungen. Eine 14-jährige Kanadierin habe versucht, sich umzubringen.










