„Notes of Berlin“
„Stuhl gehörte Sissi“: Bizarrer Straßenfund elektrisiert das Netz
23.07.2026 – 07:28 UhrLesedauer: 2 Min.
In Prenzlauer Berg steht ein vergoldeter Prunksessel am Straßenrand. Eine handgeschriebene Notiz macht ihn zum Netz-Hit – und behauptet Erstaunliches.
Zwischen Kopfsteinpflaster, Unrat und einer leeren Zigarettenschachtel thront ein Stück angebliches Kaiserreich: An der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg hat jemand einen vergoldeten Barocksessel auf den Gehweg gestellt – geschwungene Armlehnen, goldener Holzrahmen, orangefarbener Bezug mit floralem Muster. Und weil in Berlin selbst der Sperrmüll eine Geschichte erzählt, klebt an der Rückenlehne ein Zettel.
„Zum mitnehmen! GRATIS FOR FREE“, steht dort in Handschrift auf kariertem Papier, mit schwarzem Klebeband fixiert. Eine zweite, kleinere Notiz liefert den royalen Twist: „Dieser Stuhl gehörte Sissi“.
„Und die Zigarettenschachtel darunter gehörte Helmut Schmidt?“
Ob die österreichische Kaiserin tatsächlich je darauf Platz nahm, bleibt natürlich offen – für das Netz spielt das aber keine Rolle. Der Instagram-Account @notesofberlin, der Zettel und Fundstücke aus der Hauptstadt sammelt und dem rund 389.000 Menschen folgen, machte aus dem Motiv einen kleinen Hit. „Barock trifft Bordstein“, kommentierte der Account trocken. Rund 2.700 Likes, 59 Kommentare und 14 Weiterleitungen verzeichnete der Beitrag. Eingereicht wurde das Bild den Angaben zufolge von einem Nutzer namens „Clemens“.
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Für die größte Erheiterung in den Kommentaren sorgte aber nicht der Stuhl, sondern das, was am Boden vor ihm lag. Auf die dort liegende Zigarettenschachtel spielte ein Kommentar an: „Und die Zigarettenschachtel darunter gehörte Helmut Schmidt?“ – mit mehr als 230 Likes der meist beachtete Beitrag der Diskussion. Ein anderer fand für dasselbe Detail ein Modewort: „Die Marlboro Schachtel macht’s sehr editorial“.
Möbelstück wirkt, als ob es sich verirrt hätte
Andere hatten es auf das Möbel selbst abgesehen. „Würde ich sofort mitnehmen, der Stuhl ist toll“, hieß es in einem Kommentar, ein weiterer adelte den Fund kurzerhand zum „Thron zum Mitnehmen“. Auch die Sissi-Behauptung wurde weitergesponnen: Der Account eines Nagelstudios, das den Namen „Sissy“ im Profilnamen trägt, meldete sich prompt zu Wort: „Ja hier bin ich, aber wer bringt ihn mir vorbei?“
Das Möbelstück selbst wirkt, als hätte es sich in die Straße verirrt: ein Armlehnsessel mit vergoldetem Holzrahmen, geschwungenen Beinen und einer ovalen, medaillonförmigen Rückenlehne, wie man sie aus französischen Salons kennt. Der Bezug ist orangefarben und mit einem verblassten floralen Muster durchzogen, entlang der Polsterkanten zieht sich eine Reihe messingfarbener Ziernägel. Die Jahre sind ihm anzusehen: Das Polster wirkt speckig, an der rechten Armlehne liegt der Stoff bereits frei, die Vergoldung ist an mehreren Stellen abgerieben. Unter dem Sitz und rundherum: Kopfsteinpflaster, ein paar Grasbüschel aus den Fugen, Unrat.
