„Absolute Grenzüberschreitung“
AfD-Politiker will Interview umschreiben – Zeitung wehrt sich
15.09.2026 – 20:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Der AfD-Politiker Heinrich Koch gibt dem „Mannheimer Morgen“ ein Interview. Im Nachhinein will er viele Passagen ändern. Die Zeitung reagiert deutlich.
Der „Mannheimer Morgen“ hat am Dienstag ein Interview mit dem AfD-Politiker Heinrich Koch veröffentlicht – allerdings mit zahlreichen Schwärzungen. Nach Angaben der Zeitung wurde aus einem rund zweistündigen Gespräch ein schriftliches Interview erstellt. Bei der Autorisierung habe Koch den Text jedoch um zwei Drittel kürzen wollen.
Die Zeitung sprach mit Koch über seine parallele Tätigkeit in der Bundes- und Kommunalpolitik. Der AfD-Politiker sitzt seit 2025 im Bundestag und ist gleichzeitig Mitglied im Mannheimer Gemeinderat. Dort übernahm er kürzlich den AfD-Fraktionsvorsitz. Der „Mannheimer Morgen“ wollte wissen, ob ihn diese Ämterfülle nicht überfordere. Kochs Antwort, die im Original ausführlich ausfiel, wurde für den Abdruck auf wenige Zeilen gekürzt.
Dieses Muster wiederholt sich an weiteren Stellen des Interviews. So wurde Koch auch zur Arbeit im Mannheimer Gemeinderat und zur möglichen Kooperation mit anderen Fraktionen befragt. Kochs Antworten auf diese Fragen wurden umfangreich geschwärzt. Selbiges gilt für große Teile seiner Ausführungen zum Klimawandel und zu jüngst verzeichneten Hitzerekorden.
- Entlastungen für Autofahrer: Eine Idee schließt Merz klar aus
- Niedersachsen-Wahl: AfD-Erfolg wird nachträglich kleiner
Chefredakteurin erklärt Schwärzung von Interview
Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin des „Mannheimer Morgen“, begründete die ungewöhnliche Veröffentlichung auf der Plattform LinkedIn. Wie mit allen Fraktionsvorsitzenden im Mannheimer Gemeinderat habe die Zeitung auch mit Koch gesprochen. Im Nachhinein habe dieser das Interview jedoch erheblich gekürzt und umgeschrieben. Sogar einige Fragen des Interviewers habe Koch verändern wollen.
Die nachträgliche Autorisierung von Interviews sei zwar gängige Praxis im Journalismus. Sie sei jedoch „keine Einladung zum Eingriff in die journalistische Freiheit“. Dies sei „eine absolute Grenzüberschreitung“, die die Zeitung nicht hinnehme.
Zum Abschluss ihres Beitrags wirft Scharlibbe grundlegende Fragen auf. Kaum eine Partei beklage sich so vehement über den journalistischen Umgang mit ihr wie die AfD. Der Vorfall zeige jedoch, dass es vielen AfD-Politikern gar nicht um die Beantwortung von Fragen gehe. Stattdessen würden „geltende Spielregeln mit Füßen getreten.“












