
In Deutschland angekommen
Ärzte warnen vor gefährlichen Tabletten
Aktualisiert am 06.02.2026 – 08:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Winzige Mengen, große Gefahr: Ein neuer psychoaktiver Stoff führt zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen. Nach Funden im Raum Karlsruhe wird bundesweit gewarnt.
Derzeit warnen Suchtexperten und Ärzte vor einer neuen gefährlichen Designerdroge namens Cychlorphin, die inzwischen auch in Deutschland kursiert. Sie verwiesen darauf, dass aus England bereits mehrere Todesfälle aufgrund dieser Substanz gemeldet wurden.
Bundesweit verbreitete sich zuletzt ein Warnhinweis der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Karlsruhe. Dort war Cychlorphin in Urinproben von Patienten der Awo-Ambulanz und in einer sichergestellten Flasche nachgewiesen worden. Es zählt zu den neuen psychoaktiven Stoffen (NPS).
Cychlorphin ist ein neues, synthetisches Opioid. Es wirkt in winzigen Mengen und kann auch schon in geringen Dosen lebensbedrohliche Zustände auslösen. Typische Symptome einer Überdosierung sind verlangsamte oder aussetzende Atmung, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand, wie es beim Verein Condrobs heißt.
Der Toxikologe Lars Wilhelm des LADR Laborverbunds Dr. Kramer & Kollegen schreibt: „Es wird beschrieben, dass Cychlorphin 50- bis 200-mal stärker als Heroin und ähnlich oder sogar potenter als Fentanyl ist, obwohl bislang keine pharmakologischen Daten veröffentlicht wurden.“
Laut dem Projekt NEWS (National Early Warning System) des Instituts für Therapieforschung in München sind neben den Nachweisen im Raum Karlsruhe hierzulande gelbe Tabletten im Umlauf, die unter anderem Cychlorphin enthielten.
Ende September letzten Jahres hatte zudem das Universitätsklinikum Freiburg über einen schweren Vergiftungsfall berichtet, bei dem die Einnahme einer Tablette aus dem Internet mit Cychlorphin beinahe tödlich geendet sei. Statt des erwarteten Benzodiazepins Alprazolam, das in der Schweiz und den USA unter dem Handelsnamen Xanax vertrieben wird, wurde in der rosafarbenen Tablette das hochwirksame synthetische Opioid Cyclorphin nachgewiesen. Die betroffene Person musste auf der Intensivstation behandelt werden.
Der Ärztliche Leiter der Awo-Ambulanz für Substitution in Karlsruhe, Christoph Stoll, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, seit Mitte Januar berichteten die dortigen Patienten nicht mehr von Cychlorphin-Konsum.
Der Stoff sei nur ein Beispiel. „Wir müssen damit rechnen, dass immer wieder neue synthetische Opioide entwickelt und vertrieben werden.“ Hintergrund sind laut Stoll die Verknappung von Heroin auf dem Schwarzmarkt und weltweite Vertriebswege. „Wir müssen wachsam und auf der Hut sein.“











