Kirche im Fokus
Protestanten wollen Zukunft nicht Extremisten überlassen
Aktualisiert am 08.11.2026 – 13:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Die EKD-Ratsvorsitzende Fehrs sieht die Demokratie schweren Angriffen ausgesetzt. Wie die evangelische Kirche Populisten begegnen und den Kontakt zu Abgewandten halten will.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will angesichts tiefgreifender Veränderungen der Demokratie den Dialog zwischen den Generationen stärken und Populisten entschieden entgegentreten. „Demokratie braucht Streit, klar“, sagte die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs zum Auftakt der EKD-Synode in Würzburg. „Sie braucht aber vor allem auch die Achtung der politischen Kontrahenten voreinander.“
An Populisten und Extremisten dürfe man sich nicht nur abarbeiten, sondern mit einer eigenen Agenda antworten, sagte sie. „Wir müssen deutlich machen, wofür wir stehen.“ Die Kirche agiere dabei überparteilich, sie müsse aber Ungerechtigkeit und politische Versäumnisse benennen können. Fehrs sprach sich dafür aus, ein AfD-Verbotsverfahren zu prüfen.

Zugleich müsse Kirche im Gespräch bleiben mit Menschen, die sich von der Demokratie abwendeten, und die Zukunft nicht Extremisten überlassen. „Dass diese liberale Demokratie derzeit schweren Angriffen ausgesetzt ist, beunruhigt mich nachhaltig“, sagte Fehrs.
Steinmeier zu Gast
Die 7. Tagung der 13. Synode der EKD findet bis zum 11. November in der Mainstadt im Norden Bayerns statt. Die Tagung mit Diskussionsforen und Arbeitsgruppen trägt das Motto „Gemeinsam weiter – Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“. Als Gast wird am Dienstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet.
Die Synode ist das Kirchenparlament der EKD. Insgesamt zählen knapp 17,4 Millionen Menschen zur EKD.
Schuster: Mutig gegen Rassismus anreden
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland appellierte zum Auftakt der Synode an die Gesellschaft, Unrecht auch dann zu benennen, wenn es einem viel Mut abverlangt. „Wer den Mund aufmacht, macht es dem Nächsten leichter, es ebenfalls so zu tun“, sagte Josef Schuster in seiner Heimatstadt.

Lehrer etwa müssten einschreiten, wenn Schüler von Mitschülern rassistisch beleidigt werden. Im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder im Verein sollte man sich nicht zurückhalten, wenn Antisemitismus Raum greife. „Gerade unter Menschen, die wir gut kennen, vermag es manchmal etwas Mut, um ein Wort zu sagen“, sagte Schuster.
Auch sexualisierte Gewalt wird thematisiert
In Würzburg geht es auch um Konsequenzen aus den Ergebnissen der Anfang 2024 veröffentlichten unabhängigen sogenannten Forum-Studie. Demnach sind Betroffene sexualisierter Gewalt jahrzehntelang von der evangelischen Kirche alleingelassen worden. Mindestens 2.225 betroffene Kinder und Jugendliche und 1.259 mutmaßliche Täter wurden dokumentiert.











