Ilse Aigner
Sie hat ihr Thema fürs neue Amt schon gefunden
Aktualisiert am 06.11.2026 – 19:00 UhrLesedauer: 3 Min.
CSU-Politikerin Ilse Aigner soll erste Frau ins höchste Staatsamt aufsteigen. Ihre entscheidende Stärke: Zuhören.
Die Frau kann sich durchsetzen in Männerberufen: Nach der Realschule machte Ilse Aigner eine Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin. Sie sollte in Oberbayern den elterlichen Betrieb übernehmen. Die anschließende Technikerschule für Elektroingenieure absolvierte sie als einzige Frau – und beste ihres Jahrgangs. Kein Zweifel: Die Frau kann sich durchsetzen.
Statt daheim den Betrieb zu übernehmen, stieg Aigner beim Hubschrauberhersteller Eurocopter ein. Dort half sie mit, ein Bordkontrollsystem zu entwickeln. die „Warning Unit“. Sie wird auch heute noch verbaut. „Ich freu mich heut noch, wenn ich den Hubschrauber fliegen seh“, zitierte sie das Wochenblatt „Die Zeit“. Nun ist die Filigrane fast am Ziel: Aigner soll Bellevue übernehmen. Sie folgt, wenn nichts mehr schiefgeht, auf Frank-Walter Steinmeier im Amt des Bundespräsidenten. Erstmals rückt damit eine Frau ins höchste deutsche Staatsamt auf.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner vorgeschlagen. Und Kanzler Friedrich Merz ohne eigenes Personalkonzept erwischt. Am Freitag gab die Union dem Drängen aus Bayern nach. Die SPD hatte schon zuvor Zustimmung signalisiert. „Wir würden das begrüßen und unterstützen“, sagte SPD-Chef Lars Klingbeil. Am 30. Januar 2027 soll Aigner von der Bundesversammlung zur Bundespräsidentin gewählt werden.
Das ‚Nie wieder‘ ist tot“
Aigner, 60, lebt als Single. Auch das ist eine Premiere im Bundespräsidentenamt. Einsam wohne sie jedoch nicht, betonte Aigner in einem Podcast. „Ich lebe wirklich in einem großen Familienverbund, in einem sogenannten Drei-Generationen-Haus, wo immer irgendwas los ist“, erläuterte sie. „Ich hab eine sehr große Familie, also drei Schwestern, sieben Nichten und Neffen und mittlerweile elf in der nächsten Generation.“
Seit 2018 ist Aigner Präsidentin des Landtags in Bayern. Söder wollte mit der Berufung auch eine innerparteiliche Rivalin abschieben, hieß es damals von Kritikern. Aigner aber nutzte das Amt zur weiteren Profilierung. Mit ihrer überparteilichen Amtsführung als Landtagspräsidentin genießt sie weit über die CSU hinaus Anerkennung. Das zahlt sich jetzt aus.
Auch an staatstragende Reden konnte sich Aigner schon gewöhnen. Im vergangenen Monat sprach sie an der Münchner Universität zum Thema Antisemitismus. Viele im Saal verstanden den Vortrag auch als kleine Bewerberrede für das Amt des Bundespräsidenten in Berlin. Aigner erging sich nicht in taktischen Spielchen, sondern sprach eine eindeutige Mahnung aus: „Das ‚Nie wieder‘ ist tot“, kommentierte sie den Aufstieg der in Teilen rechtsextremen AfD. Im Saal saß auch Charlotte Knobloch, Holocaust-Überlebende und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, und klatschte, betroffen.













