Minister sieht dennoch „keine Spielräume“
Klingbeil meldet Milliardenplus bei Steuern
Aktualisiert am 22.10.2026 – 15:41 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Hoffnungen waren groß, vor allem in der Union. Mehr Steuereinnahmen sollten Entlastungen bei der Stromsteuer finanzieren. Doch das wird nach den neusten Zahlen schwierig.
Die Konjunktur zieht leicht an, die Steuereinnahmen auch – doch Finanzminister Lars Klingbeil bekommt für seinen Bundeshaushalt kaum mehr Spielraum. Zwar ergibt die aktuelle Steuerschätzung für das kommende Jahr allein für den Bund 4,1 Milliarden Euro mehr als erwartet. Gleichzeitig darf die Regierung wegen der besseren Wirtschaftslage aber wohl keine so hohen Schulden machen, wie der SPD-Chef geplant hatte. Zusatzwünsche wie die Senkung der Stromsteuer werden damit allein durch das Steuerplus voraussichtlich nicht finanzierbar sein.
„Für 2027 gewinnen wir insgesamt keine neuen Spielräume hinzu, wir müssen aber auch keine neuen Lücken schließen“, sagte Klingbeil in Berlin. Im Haushalt des Bundes sei weiter Konsolidierung nötig, wenn man in Zukunft Handlungsspielräume haben wolle.
Prognose bis 2030
Konkret sagen die Schätzer für das kommende Jahr für den gesamten Staat nun 10,9 Milliarden Euro mehr an Steuereinnahmen voraus, als noch im Mai angenommen. In den Bundeshaushalt fließen 2027 laut der Prognose Steuereinnahmen von insgesamt 398,6 Milliarden Euro. Für den gesamten Staat, also mit Ländern und Kommunen, rechnen die Schätzer mit Einnahmen von etwas mehr als einer Billion Euro. Für die Jahre bis 2030 ergibt die Prognose verglichen mit den Mai-Zahlen gesamtstaatlich ein Plus von 43,4 Milliarden Euro.
Dem Arbeitskreis für die Steuerschätzung gehören Experten der Bundesregierung, der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, des Statistischen Bundesamts, der Bundesbank, des Sachverständigenrats für die wirtschaftliche Entwicklung sowie von Ländern und Kommunen an. Das Gremium kommt zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, zusammen.
Warum die Zahlen besser ausfallen
Grundlage der Steuerschätzung sind die jüngste Wirtschaftsentwicklung und seit Mai beschlossene Gesetze mit finanziellen Auswirkungen. Ihre Konjunkturprognose hat die Bundesregierung gerade erst nach oben korrigiert: Für dieses Jahr hob sie die Wachstumserwartung von 0,5 auf 1,3 Prozent an, für das nächste Jahr erwartet sie nun statt 0,9 Prozent ein Plus von 1,1 Prozent.
Die Wirtschaft läuft also trotz anhaltender Krisen mit globalen Auswirkungen wie dem Iran-Krieg besser als noch im Frühjahr erwartet. Das liegt unter anderem am starken Export, aber auch an den staatlichen Paketen für Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. 2028 rechnen führende Wirtschaftsinstitute dann wieder nur mit einem Miniwachstum.
Was das für den Bundeshaushalt bedeutet
Die neue Steuerprognose bildet eine wichtige Grundlage für den Bundeshaushalt 2027, über den gerade der Bundestag berät. Ende November soll er im Parlament beschlossen werden. Doch die Gespräche zwischen den Regierungsfraktionen Union und SPD laufen alles andere als geräuschlos.

Zwar hatte Klingbeil eine Lücke von 34 Milliarden Euro in seinem Entwurf schon geschlossen, bevor der Etat den Bundestag erreichte. Das gelang aber nicht nur mit Sparmaßnahmen, sondern auch, weil er höhere Einnahmen durch eine neue Plastiksteuer, eine höhere Tabak- und eine Zuckersteuer einplante. Die sind aber noch lange nicht alle umgesetzt. In der Unionsfraktion gibt es erhebliche Vorbehalte gegen die Plastiksteuer, die Plastikverpackungen teurer machen soll. Die Zuckersteuer ist nach langem Streit zwar durchs Kabinett, aber auch hier fordert die Union weiter Nachbesserungen und Übergangsfristen.












