Jetzt wird Blut fließen in NRW
AfD-Politiker treten mit Klingen gegeneinander an
16.10.2026 – 13:22 UhrLesedauer: 5 Min.

Die AfD Nordrhein-Westfalen befindet sich im harten Lagerkampf. Jetzt treten zwei Funktionäre mit Klingen gegeneinander zur Mensur an. Die Aufforderung zum Kampf erfolgte auf einem Parteitag.
An diesem Samstag dürfte Blut fließen im Verbindungshaus der Alten Halleschen Burschenschaft Rhenania-Salingia: Zwei Burschenschafter treten zur Mensur gegeneinander an. Es ist ein Ritual, das Burschenschaften seit Jahrhunderten pflegen. Früher forderte es bisweilen Tote, heute findet es mit Schutzausrüstung statt, um Todesfälle zu verhindern.
Zwei Mitglieder unterschiedlicher Studentenverbindungen treten dabei im Fechtkampf gegeneinander an. Augen, Nase, Hals und Oberkörper werden geschützt, ausgerechnet das Gesicht und der Kopf aber bleiben frei – sie sind die Trefferfläche, das Ziel des Gegners. Wer Angst zeigt, wer zurückweicht, wer bei Treffern Schmerzenslaute ausstößt, riskiert, die Partie zu verlieren.
Das Besondere an der Mensur an diesem Samstag: Auf dem sogenannten Paukboden treffen nicht nur, wie üblich, zwei Mitglieder unterschiedlicher Verbindungen aufeinander – sondern zwei AfD-Funktionäre, die im harten Lagerkampf der Partei in Nordrhein-Westfalen den beiden gegnerischen Lagern angehören.
Als „absoluten Wahnsinn“ bezeichnet das ein Mitglied der AfD NRW im Gespräch mit t-online. „Die sind nicht mehr 21, sind Mandatsträger, sind Familienväter. Das ist irre!“
AfD-Ratsherren kreuzen die Klingen
Auf der einen Seite wird am Samstag Matthias Büschges stehen – er sitzt seit elf Jahren für die AfD im Kölner Stadtrat, ist dort ihr Fraktionsgeschäftsführer. 2025 trat er für die AfD als Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl in der größten Stadt Nordrhein-Westfalens an. Er zählt zum Lager von Martin Vincentz, dem vergleichsweise gemäßigt auftretenden AfD-Landeschef in NRW, und ist Mitglied der Kölner Burschenschaft Alemannia.
Auf der anderen Seite wird Jeremy Franosch stehen. Er sitzt für die AfD in der Ratsfraktion Düsseldorf. Die AfD Düsseldorf gilt im AfD-Lagerkampf als Hochburg der Unterstützer von Rechtsextremist Matthias Helferich, der für die AfD im Bundestag sitzt und dort ihr kulturpolitischer Sprecher ist. Franosch ist Mitglied der Düsseldorfer Burschenschaft Rhenania-Salingia.
Vincentz und Helferich liefern sich seit Langem einen erbitterten Kampf um die Macht im Verband, in dem Ideologie nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. In diesem Jahr ist er auf seinem vorläufigen Höhepunkt angelangt. Der Graben zwischen den beiden Lagern ist tief, der Ton ist rau. Nicht nur zu Beleidigungen, auch zu körperlichen Übergriffen soll es bereits gekommen sein. Landesvorstandsmitglied Sabine Reinknecht erstattete im Mai Anzeige wegen Körperverletzung gegen einen Parteikollegen.
Ein Duell mit Klingen aber – das ist auch für die AfD NRW neu.

Büschges forderte Franosch auf einem Parteitag heraus
Zwar betonen Büschges wie Franosch auf Anfrage von t-online, dass die Mensur Privatangelegenheit sei; beide wollen sich nicht näher zum Auslöser äußern. Sogenannte Ehrenhändel – Duelle zur Beilegung von Ehrstreitigkeiten – sind deutschen Burschenschaften auch seit Langem verboten. Doch es gibt Hinweise darauf, dass es hier um mehr geht als um ein rein sportliches Wetteifern und vielleicht auch der Lagerkampf dabei eine Rolle spielen könnte.












