Altkanzler in Putins Diensten
Die Spur des Geldes führt ins Saarland
Aktualisiert am 15.10.2026 – 17:34 UhrLesedauer: 2 Min.
Gerhard Schröder sitzt im Aufsichtsrat einer russischen Supermarktkette – trotz strenger Sanktionen gegen Russland. Die Spur des Geldes führt ins Saarland.
Gerhard Schröder, 82, macht weiter Geschäfte mit Russland – und das trotz verschärfter Sanktionen. Der SPD-Altkanzler hält ein Aufsichtsratsmandat beim russischen Lebensmittelhandelsunternehmen Hyperglobus, dem russischen Ableger der deutschen SB-Warenhauskette Globus. Dabei gibt es offenbar ein Konstrukt, um Schröder für seine Dienste zu vergüten – vorbei an den Sanktionen.
Wie der „Spiegel“ berichtet, erhält Schröder kein Geld direkt von Hyperglobus. Stattdessen soll ein „Beratervertrag“ mit der TMB Holding im saarländischen St. Wendel die Basis für seine Bezahlung sein. Die TMB Holding wird von Geschäftsführern des Familienunternehmens Globus kontrolliert und übernahm die russische Hyperglobus-Kette mit ihren 23 Filialen im Jahr 2025.
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Holding bestätigt Beratervertrag
Die TMB Holding bestätigte auf Anfrage des „Spiegel“ das Bestehen des Beratervertrags mit Schröder. Details zu seinem Aufsichtsratsmandat wollte das Unternehmen allerdings nicht nennen. Schröder selbst ließ eine Anfrage des Magazins unbeantwortet.
Ein mit dem Vorgang vertrauter Insider versicherte dem Magazin, der Sachverhalt sei juristisch geprüft worden. Weder EU- noch US-Sanktionen gegen Russland seien verletzt worden. Schröder verfüge über Erfahrungen in der Beratung von Familienunternehmen, hieß es – auch bei „strategischen Fragestellungen in Auslandsmärkten, darunter auch russischer oder in Russland tätiger Unternehmen“.
Direktzahlungen für Aufsichtsratsmandate bei Firmen mit Sitz in Russland sind durch verschärfte EU- und US-Sanktionen seit geraumer Zeit faktisch nicht mehr möglich – europäische Banken scheuen das Risiko.
Putin-Geburtstag: Schröder löst Empörung aus
Die Enthüllung kommt für den früheren Bundeskanzler zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Vergangene Woche hatte Schröders Besuch in Moskau scharfe Kritik ausgelöst: Zunächst besuchte er geschäftlich eine Hyperglobus-Filiale, dann erschien er überraschend gemeinsam mit seiner Frau Soyeon Schröder-Kim beim 74. Geburtstag von Kremlchef Wladimir Putin – einem engen Freund Schröders seit vielen Jahren. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine schien dem Besuch keinen Abbruch zu tun.
Es ist nicht das erste Mal, dass Schröders Russland-Verbindungen und Sanktionsfragen miteinander in Berührung kommen. Im Mai 2025 hatte die Sparkasse Hannover Zahlungen der Nord Stream 2 AG an Schröder blockiert. Als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der in der Schweiz ansässigen Gesellschaft hatte er jährlich 400.000 Euro bezogen. Weil in das Projekt auch russische Gelder geflossen waren, überwies die Sparkasse die eingegangenen Beträge an die Luxemburger Filiale der Gazprombank zurück.
Die nun bekannt gewordene Konstruktion über die TMB Holding zeigt, wie Schröder dieses Problem offenbar gelöst hat: Der Geldfluss läuft über eine deutsche Adresse – und soll damit rechtlich sauber sein.











