Siegmunds „erste Amtshandlung“
Wäre das erst der Anfang?
Aktualisiert am 13.10.2026 – 18:39 UhrLesedauer: 5 Min.
Schon jetzt zeigt sich: Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt regieren können, dürfte es für die Öffentlich-Rechtlichen ungemütlich werden. Doch sie wollen sich wehren.
War es nur ein Scharmützel in der satirischen „heute-show“ – oder ein Fingerzeig in Richtung einer neuen Medien-Ära in Deutschland? Vergangene Woche hielt der ZDF-Reporter Fabian Köster Politikern auf den Fluren des Magdeburger Landtags sein Mikrofon unter die Nase. „Sie wollen sich erst im Dezember zur Wahl stellen lassen“, konfrontierte Köster den AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund mit dessen Plänen für das Amt des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt und unkte dann: „Ist das nicht ein bisschen peinlich, wenn man die Machtergreifung verschieben muss?“
So ging das weiter: Witze über die AfD-Vetternwirtschaft, Seitenhiebe in Richtung des vorbestraften AfD-Abgeordneten Philipp-Anders Rau. In der Endfassung, die das ZDF am Freitagabend in der „heute-show“ ausstrahlte und die im Fernsehen mehr als 3,3 Millionen Menschen verfolgten, wirkte der Beitrag albern bis harmlos.
Doch dieses Mal war etwas anders. Denn schon vor der Ausstrahlung im ZDF hatten Videoschnipsel in den sozialen Medien Aufsehen erregt: Diese zeigten eine ungeschnittene Version eines Interviews zwischen Fabian Köster und Ulrich Siegmund, in der der AfD-Politiker eine Drohkulisse aufbaute.
„Sie zittern ja schon wieder“
„Haben Sie sich schon einen Job gesucht?“, fragte Siegmund den „heute-show“-Reporter darin und verwies darauf, dass man ja noch „dieses Jahr den Medienstaatsvertrag“ kündigen wolle. Außerdem legte Siegmund einen Arm auf Kösters Rücken und sagte: „Sie zittern ja schon wieder, sind Sie nervös?“ Dann fügte er an: „Ich glaube, Sie haben das noch gar nicht richtig verarbeiten können: Herzlich willkommen in der neuen Zeit.“
Einen Tag später verurteilte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die Aussagen des AfD-Politikers: „Erst kritische Journalisten unter Druck setzen, dann Sender abwickeln wollen: Das ist kein Medienkonzept, das ist pure Einschüchterung“, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. Wer kritische Berichterstattung mit der beruflichen Existenz verknüpfe, überschreite eine rote Linie.
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Ist das erst der Anfang? Auf Nachfrage reagierten die Produktionsfirma der „heute-show“ und das ZDF mit demonstrativer Gelassenheit. Fabian Köster sei ein erfahrener Kollege, der wisse schon, wie er sich gegen solche Androhungen zur Wehr setze. Der Sender versicherte zudem, dass man seine Reporter nicht in Gefahr bringe: „Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden hat für das ZDF grundsätzlich hohe Priorität“, teilte eine Sprecherin des ZDF mit.
Wie es in Sachsen-Anhalt mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk weitergeht, bleibt indes offen. Ulrich Siegmund wiederholt sein Ziel seit Monaten: Den aus seiner Sicht „zwangsfinanzierten Staatsfunk“ werde er abschaffen.












