Fabian-Angeklagte zu freizügig?
Anwalt mit harter Kritik: „Finde es ungehörig, so etwas zu erwähnen“
Aktualisiert am 08.10.2026 – 20:39 UhrLesedauer: 3 Min.

Mit klaren Worten charakterisierte der psychiatrische Gutachter im Fall Fabian die Angeklagte Gina H. Jetzt reagiert ihr Anwalt – und kritisiert den Sachverständigen.
Wenig intelligent, empathielos, manipulativ: So beschrieb Peter Keiper die Angeklagte im Mordfall Fabian, Gina H. Das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen war seit Wochen erwartet worden – und es warf kein gutes Licht auf die 30-jährige Frau, die des Mordes am achtjährigen Fabian angeklagt ist. Zu Unrecht, findet Thomas Löcker, einer ihrer Anwälte. Nach dem Prozesstag sagte er t-online: „Ich habe schon seit Beginn des Prozesses das Gefühl, dass es hier nur darum geht, Gina H. als schlechten Menschen darzustellen.“ Der Anwalt zeigte sich über mehrere Aussagen des Gutachters verärgert – diese seien „frauenfeindlich und unangemessen“ gewesen.
Der Sachverständige Keiper hatte sein Gutachten über mehr als anderthalb Stunden dem Gericht und den anwesenden Zuschauern im großen Saal des Rostocker Landgerichts präsentiert. Dreimal hatte er in den vergangenen Monaten ausführlich mit Gina H. im Gefängnis gesprochen. Zudem war er während des gesamten Prozesses im Gerichtssaal anwesend und beobachtete jede Regung der Angeklagten.
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Gina H. laut Gutachter voll schuldfähig
Die wichtigste Frage beantwortete Keiper nach einer knappen Stunde: Gina H. ist seiner Einschätzung nach voll schuldfähig – trotz einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. „Das sehen wir auch so“, stimmte Löcker dem Experten zu. Doch in vielen anderen Punkten widersprach der Anwalt der Einschätzung des Sachverständigen deutlich. So hatte Keiper etwa ein Treffen mit Gina H. geschildert, zu dem diese in einer halb durchsichtigen Reiterhose und einer engen Trainingsjacke mit auffallend tiefem Ausschnitt gekommen sei. „Was soll das jetzt?“, habe er gefragt, wie der „Stern“ aus dem Gerichtssaal berichtete. Keiper führte den Vorfall als Beispiel für das manipulative Verhalten der Angeklagten an.

Löcker sagte t-online dazu: „Ich finde es ungehörig, so etwas zu erwähnen.“ Er selbst habe Gina H. am selben Tag wie der Gutachter besucht. „Sie hat uns nicht im Ansatz versucht zu manipulieren. Sie hat eine ganz normale Leggings und eine Jacke über einem T-Shirt getragen.“ Generell sei Gina H. ihm und seinem Verteidigerkollegen gegenüber immer sehr „dezent“ aufgetreten, so der Strafverteidiger.
Anwalt von Gina H. ärgert sich über Männer-Aussage
Auch eine andere Aussage des Gutachters kritisierte Löcker scharf. So hatte Keiper – im Zusammenhang mit Gina H.s manipulativem Verhalten – gesagt: „Ich war beeindruckt, dass sie fünf Männer um sich geschart hatte, die sich um sie gekümmert haben. Einer fürs Herz, einer fürs Bett, einer fürs Geld“, zitierte der „Stern“ den Gutachter. Der Anwalt fand diese Äußerung „völlig deplatziert“: „Was für eine Aussage von einem Gutachter“, sagte er. Tatsächlich spielten mehrere Männer eine wichtige Rolle im Leben der 30-Jährigen. Ein zentraler Zeuge, ihr Nachbar Olaf K., hatte sich im Laufe des Prozesses als einen ihrer „Haus- und Hofsklaven“ bezeichnet.








