Dafür gibt es zwei zentrale Gründe. Erstens sind chinesische Wettbewerber innovativer, effizienter und schneller geworden. „China Speed“ bringt das ziemlich gut auf den Punkt. Zweitens kommt die chinesische Industriepolitik hinzu: Überkapazitäten, Subventionen, günstige Finanzierung und massive Investitionen in Zukunftstechnologien.
Warum produziert China so viel, obwohl die eigene Nachfrage schwächelt?
China hat ein strukturelles Problem mit seiner Binnennachfrage. Das Konsumklima ist schwach, die Immobilienkrise belastet die Vermögen der privaten Haushalte. Wenn die Nachfrage im eigenen Land nicht ausreicht, müssen die Produktionskapazitäten stärker über die Weltmärkte ausgelastet werden. Und wenn sich der amerikanische Markt abschottet, wird Europa für China noch wichtiger.
Das könnte für Europa zu einer Exportwelle aus China führen?
Die ist schon da. Das Handelsdefizit Europas mit China wächst seit Jahren kontinuierlich. Die schwache chinesische Binnennachfrage, die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen und die chinesische Industriepolitik wirken hier zusammen.
Ist das der Grund, warum Deutschland von einer schleichenden Deindustrialisierung bedroht ist?
Deutschland hat im Vergleich zu anderen Industrienationen weiterhin einen hohen Anteil industrieller Wertschöpfung. Das war über Jahrzehnte eine große Stärke. Jetzt gilt es diese zu wahren.
Wo liegt dann das Problem?
Wir verlieren Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe. Hunderttausende Arbeitsplätze in der Industrie sind in den vergangenen Jahren weggefallen. Die Ursachen sind vielfältig: Standortnachteile, internationale Konkurrenz, aber auch eine nachlassende Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in der Breite. Über diesen Aspekt reden wir meines Erachtens zu wenig. Andere Regionen, vor allem in Asien, haben enorm an Innovationskraft gewonnen. Innovationsführerschaft findet längst nicht mehr nur im Silicon Valley statt.
Kann Deutschland da noch mithalten?
Grundsätzlich ja. Aber dafür müssen wir unsere strukturellen Wettbewerbsnachteile endlich angehen.
Was sind diese strukturellen Nachteile?
Die Folgen des demografischen Wandels, eine schwache Produktivitätsentwicklung, zu geringe private Investitionen, hohe Energiepreise, eine hohe Steuer- und Abgabenlast, Bürokratie und langsame Genehmigungsverfahren. Das alles drückt unser langfristiges Wachstumspotenzial.
Sind die hohen Energiepreise inzwischen ein struktureller Standortnachteil?
Ja. Deutschland war nie ein Land mit besonders niedrigen Energiepreisen. Aber inzwischen sind Strom und Gas für Industriekunden zu einem echten Standortnachteil geworden. Das hat mehrere Ursachen: die Art und Weise, wie die Energiewende geplant und umgesetzt wurde, aber natürlich auch der Krieg in der Ukraine und der Wegfall der früher günstigen Gaslieferungen aus Russland.












