Rätsel um ZDF-Erfolg
Da johlt das Publikum
Aktualisiert am 03.10.2026 – 17:39 UhrLesedauer: 5 Min.
Das Fernsehen ist tot, lang lebe das Fernsehen. Die „heute-show“ ist erfolgreicher denn je – mit einem Konzept, das 17 Jahre alt ist. Warum gerade jetzt?
Von oben bis unten beschmiert, stehen Lars Klingbeil und Friedrich Merz mit Kochschürzen in der Küche. Der Finanzminister hält ein Blech mit verkohlten Keksen in der Hand, der Kanzler hinter ihm schaut bedröppelt in die Kamera. Es ist ein Bild aus der „heute-show“, darunter steht der Titel: „Das große nix mehr gebacken kriegen“ in Anlehnung an ein bekanntes TV-Format.
Moderator Oliver Welke sitzt an seinem Schreibtisch, wie immer gekleidet in schlichtem Anzug und Krawatte, dazu seine schmale, schwarze Brille. Er spricht über die Regierungskrise und seziert die Politik der schwarz-roten Koalition in gewohnt kritischer Manier. Kein Pointen-Feuerwerk, nur ein ulkiger Kommentator und die Verballhornung der Regierungschefs.
Diese einfache Mechanik kennen Zuschauer seit vielen Jahren. Große Veränderungen hat die ZDF-Sendung, die 2009 nach dem Vorbild der US-amerikanischen „The Daily Show“ in Deutschland startete, nie durchlaufen. Selbst die Außenreporter und Ensemblemitglieder der Show sind Konstanten des Formats: Fabian Köster etwa, der Spitzenpolitiker auf Parteitagen veräppelt, oder Valerie Niehaus, die in Einspielern grotesk überzeichnete Einordnungen der Lage liefert.
Die Show jagt ihre eigenen Rekorde
Doch während reihenweise TV-Formate gegen ihren Bedeutungsverlust ankämpfen, schwingt sich die „heute-show“ zu Höhenflügen auf. Im Jahr 2026 schalten mehr Zuschauer ein denn je, im Schnitt 4,3 Millionen Menschen. Vergangene Woche titelte das Medienmagazin „dwdl.de“: „Unfassbare Quotenjagd der ‚heute-show‘ geht weiter“ und verwies darauf, wie die Show besonders beim jungen Publikum immer beliebter wird. Rekordwerte von mehr als 30 Prozent wurden gemessen: Fast jeder dritte Zuschauer im Alter zwischen 14 und 49 Jahren wählte am vergangenen Freitag also die Sendung von Oliver Welke.
Oliver Welke sei zu beschäftigt für ein Interview, heißt es auf Anfrage. Der Moderator sitze von Montag bis Donnerstag gemeinsam mit seinem Chefautor Morten Kühne und dem Autorenteam an der Vorbereitung der Sendung. Über den gegenwärtigen Erfolg seiner Show, so ist es aus seinem Umfeld zu hören, sei man allerdings selbst überrascht.

Das ZDF teilt auf Anfrage von t-online mit, die Sendung verbinde „seit Jahren erfolgreich Satire, Journalismus und Unterhaltung und ist längst zur führenden Marke dieser Art von Unterhaltung geworden“. Nicht nur die linearen Reichweiten der Show liefern dem Sender Anlass zur Freude, auch die Streaming-Abrufe in der Mediathek seien Ausdruck des Erfolgs: „Von Januar bis September 2026 erzielte die ‚heute-show‘ im ZDF-Streaming-Portal insgesamt 27 Millionen Abrufe“, heißt es von einer Sendersprecherin.
Dabei wäre es zu einfach, den Erfolg allein auf den Zustand der Regierung zu schieben. Schließlich machen sich Welke und seine Mitstreiter nicht nur über die Koalition, den Dauerstreit der Regierenden und die sich häufenden, politischen Missgeschicke lustig, sondern ziehen auch den aufgeregten Medienbetrieb durch den Kakao. So wie in der neuesten Sendung vom 2. Oktober.











