Bauen Sie auch neue Werke?
In den USA würden wir ein neues Werk erst dann prüfen, wenn die bestehenden Möglichkeiten ausgeschöpft sind. In einzelnen Wachstumsmärkten kann ein zusätzlicher Standort jedoch sinnvoll werden. Das gilt etwa für Indien, wo die Nachfrage stark steigt. Da werden wir gegebenenfalls irgendwann mal überlegen, ein neues Werk zu bauen.
Wenn ein CEO sagt „gegebenenfalls irgendwann mal“, dann haben Sie den Plan doch schon in der Schublade.
Indien entwickelt sich sehr dynamisch. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten wird sich klarer zeigen, welche nächsten Schritte für uns sinnvoll sind.
Dann kommt die Meldung: Aumovio baut ein Werk in Indien.
Ein zusätzlicher Standort kann langfristig eine Option sein. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen.
Sie haben ein Dutzend Werke in China. Wie groß ist Ihr Geschäft dort?
China steht für 12 bis 15 Prozent unseres Umsatzes. Gut die Hälfte davon erzielen wir mit chinesischen Herstellern, den übrigen Teil mit westlichen Herstellern, deren Marktanteile dort zurückgehen. Bei den Neuaufträgen entfallen inzwischen rund drei Viertel auf chinesische Kunden. Viele von ihnen erwarten zudem, dass wir sie auch in Europa beliefern; einige bauen derzeit Werke in Spanien und Ungarn.
Kann Ihnen die Krise der deutschen Autoindustrie also egal sein, solange die Chinesen Ihre Bremsen kaufen?
Nein. Uns ist wichtig, dass alle unsere Kunden erfolgreich sind. Gleichzeitig eröffnet das wachsende Geschäft mit chinesischen Herstellern zusätzliche Chancen für Aumovio.
Kommen wir zum Schluss noch zu Ihrer Aktie, die seit Jahresbeginn kräftig gefallen ist. Sie schreiben Verluste und planen trotzdem Aktienrückkäufe. Warum geben Sie Geld an Aktionäre zurück, statt es ins Wachstum zu investieren?
Wir wollen unsere Aktionäre angemessen am Erfolg des Unternehmens beteiligen. Dafür kommen Dividenden ebenso infrage wie Aktienrückkäufe. Wenn wir die eigene Aktie für unterbewertet halten, kann ein Rückkauf eine attraktive Option sein. Beschlossen ist derzeit nichts; darüber müsste zunächst die Hauptversammlung entscheiden.
Halten Sie Ihre Aktie für zu billig?
Ja. Wir verfügen über ein starkes Team und gute Voraussetzungen, uns in einem anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld erfolgreich zu entwickeln. Dieses Potenzial spiegelt der aktuelle Kurs aus meiner Sicht nicht vollständig wider.










