Jörg Pilawa hatte den Widerspruch schon in der Vorrunde benannt: „70 Prozent der Deutschen sagen, wir können uns unser Sozialsystem nicht mehr leisten. Aber 100 Prozent der 70 Prozent sagen: Sparen nicht bei mir.“
Streit über die Rente mit 63
Auch bei der Rente fanden die beiden kaum zusammen. Winkel sprach sich dafür aus, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Davon profitierten gerade nicht diejenigen, für die sie gedacht sei. Beschäftigte mit niedrigen Löhnen hätten häufig Lücken im Erwerbsleben und erreichten die nötigen Beitragsjahre gar nicht. Sein Urteil: „Unter dem Strich ist die Rente mit 63 eine Umverteilung von unten nach oben und deswegen auch nicht sozial gerecht.“
Im Video | Geld im Alter reicht nicht aus: „Wir gehen beide noch arbeiten“
Player wird geladen
Stegner beschrieb eine andere Gruppe: Menschen, die schon mit 15 ins Berufsleben eingestiegen seien und im Krankenhaus, an der Supermarktkasse oder auf Baustellen arbeiteten. Im Vergleich zu Akademikern hätten sie mehr Arbeitsjahre hinter sich, bekämen weniger Geld und lebten kürzer. „Rente ist keine Sozialleistung nach Kassenlage, sondern Rente ist Ertrag von Lebensleistung.“ Über Übergangsfristen und unkomplizierte Härtefallregelungen könne man sich verständigen.
Nikolaus Blome hatte zuvor für eine Korrektur der Regelung argumentiert. Selbst Andrea Nahles, die sie eingeführt habe, betrachte sie inzwischen als Fehler. Jährlich flössen neun bis zehn Milliarden Euro an Steuerzuschüssen in ein Modell, das die eigentlich gemeinten Menschen nicht erreiche. „Wir korrigieren einen Irrtum. Einen gut gemeinten Irrtum.“ Jagoda Marinić hielt dagegen, es sei kein Fehler, nach Wahlen neu nachzudenken: Große Teile der Bevölkerung fühlten sich verlassen und seien deshalb leicht für populistische Lösungen zu gewinnen.
Knobloch: „Die Menschen haben Angst“
Zum Abschluss sprach Maischberger mit Charlotte Knobloch. Die 93-Jährige überlebte die NS-Zeit als Kind in einem Versteck. Gefragt nach dem Regierungschef, dem sie am meisten vertraut habe, entschied sie sich für Angela Merkel. Deren Politik machte sie nicht für den Aufstieg der AfD verantwortlich. Über die Partei äußerte sich Knobloch unmissverständlich: Die AfD gehöre weg. Sonst wisse sie nicht, wie sich die Zukunft des Landes entwickeln werde. Maischberger fragte, ob sie Angst habe. „Die Menschen haben Angst“, antwortete Knobloch.











