Wegen Sanktionen gegen Verbrecherboss
Einziger Kuba-Zigarren-Importeur für Deutschland ist insolvent
16.09.2026 – 22:58 UhrLesedauer: 2 Min.
EU-Sanktionen gegen einen mutmaßlichen Verbrecherboss aus Kambodscha haben die Konten von 5th Avenue Products Trading gesperrt. Das Unternehmen beliefert deutsche Händler mit Zigarren.
Die 5th Avenue Products Trading aus Waldshut-Tiengen hat Insolvenz angemeldet – als einziger zugelassener Importeur kubanischer Zigarren für Deutschland, Österreich und Polen. Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. 49 Mitarbeiter sind betroffen.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht laut einer Bekanntmachung vom 9. September den Rechtsanwalt André Berbuer von der Freiburger Kanzlei BSK Berbuer Speier Kuhn. Das 1989 als Gemeinschaftsunternehmen mit der kubanischen Habanos S.A. gegründete Unternehmen vertreibt 27 Zigarrenmarken – darunter Bolívar, Montecristo und Cohiba – an rund 200 Händler in Deutschland. Eigene Läden betreibt es nicht.
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Der Grund für die Insolvenz liegt nicht im Geschäftsbetrieb. Laut Insolvenzverwalter Berbuer gehen die finanziellen Schwierigkeiten ausschließlich auf EU-Sanktionen zurück, die gegen einen mittelbaren Gesellschafter verhängt wurden. Diese Sanktionen wirken sich auf das Unternehmen aus: Sämtliche Konten sind gesperrt, Zahlungen sind nicht möglich – obwohl ausreichend Geld vorhanden ist. Berbuer arbeite derzeit daran, bei den zuständigen Bundesbehörden zumindest eine teilweise Freigabe der Vermögenswerte zu erreichen. „Hierauf liegt aktuell der Schwerpunkt“, teilte er mit.
Sanktionen gegen kriminelle Vereinigung aus Kambodscha
Hintergrund sind nach Recherchen der „Tabakzeitung“ EU-Sanktionen gegen die Prince Holding Group aus Kambodscha und deren Gründer Chen Zhi. Der Firma werden Onlinebetrug, Menschenhandel, Entführungen und Folter vorgeworfen. Laut dem Portal „Halfwheel“ soll Chen Zhi über internationale Holdingstrukturen an der halbstaatlichen Habanos S.A. beteiligt sein, die ihrerseits Anteile an der 5th Avenue Products Trading hält. Rechnerisch werden Chen Zhi damit 16 Prozent an dem Unternehmen zugerechnet – was Banken zur Sperrung der Konten veranlasst habe. Chen Zhi wurde inzwischen verhaftet und in die Volksrepublik China gebracht.
Für Tabakhändler, die ihr Sortiment überwiegend mit Habanos-Zigarren bestücken, könnte die Situation zum Problem werden: Da das Unternehmen Alleinimporteur ist, gibt es keine alternativen Bezugsquellen. Das Unternehmen erklärte, es sei sein Ziel, „die Geschäftstätigkeit so bald wie möglich wieder aufzunehmen“ – vorbehaltlich der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Umsetzbarkeit.












