Also gab es gar keine Managementfehler?
Natürlich ist nicht jede Entscheidung im Nachhinein richtig gewesen. Auch wir haben mit einem höheren Zulauf auf die Elektromobilität gerechnet, dafür wurden ja Kapazitäten umgebaut, die heute nicht ausgelastet sind. Wenn die Menschen die Elektroautos nicht kaufen, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen, gehen die Transformationspläne nicht auf. Im Nachhinein ist aber vieles auch leichter zu bewerten als in der Situation, in der Sie entscheiden müssen.
Der Anteil der Elektroautos auf deutschen Straßen ist gering. Wie lange bleibt das so?
Der entscheidende Schlüssel ist die Frage, wo die Menschen laden können. Bisher fahren Elektroautos weit überproportional Menschen, die in Häusern wohnen – die Norm sind aber Mietwohnungen. Und wenn eine Spedition bis zu zehn Jahre auf den Netzanschluss ihres Betriebshofs wartet, schafft sie sich keine Elektro-Lkw an. Wir brauchen einen Netzausbau, der dem Bedarf vorauseilt.
Hat die Branche eine Mitschuld, weil sie zu lange am Verbrenner festgehalten hat?
Ich bin seit 2020 im Amt und habe dieses Narrativ des Verbrenners so nie kennengelernt. Es ging von Anfang an um die Transformation, teilweise sogar euphorisch – deshalb stehen heute Kapazitäten leer. Niemand will zurück in die Vergangenheit. Aber wir haben alle festgestellt, dass es komplexer ist, ein System umzustellen. Da geht es um mehr, als einfach weiter gute Autos zu bauen.
Ein Kunde lehnt Elektroautos grundsätzlich ab. Versuchen Sie, ihn zu überzeugen?
Ich rate jedem, einmal ein Elektroauto zu fahren. Wer das getan hat, ist in der Regel begeistert. Aber Zwang führt in Deutschland zum Gegenteil: Die Menschen überlegen dann eher, wie sie ihn umgehen können. Verbote sind nicht das Instrument, mit dem Politik die Herzen der Menschen gewinnt.
Chinesische Autos kamen im Juli in Europa auf einen Rekordanteil von 11,2 Prozent der Verkäufe, ihr Absatz hat sich mehr als verdoppelt. Ist es zu spät für Gegenmaßnahmen?
Das heißt auch: Knapp 90 Prozent des Marktes sind nicht chinesisch. Ich rate uns, selbstbewusst mit dem aufzutreten, was wir haben. Übrigens stammen sieben von zehn Elektroautos, die hier verkauft werden, von deutschen Herstellern.
Trotzdem wächst die Konkurrenz rasant.
Wissen Sie, was dabei oft nicht gesagt wird? Die Unternehmen in China verdienen fast alle kein Geld. Dort gibt es rund 400 Marken, von denen mindestens 98 Prozent kein Geld verdienen – selbst bekannte wie BYD haben dort enorme Probleme. Dort wird mit staatlicher Industriepolitik eine Industrie samt Überkapazitäten am Leben gehalten.











