Über Hamburg
Was steckt dahinter? Flugzeug zieht stundenlang Schleifen
04.09.2026 – 04:06 UhrLesedauer: 2 Min.
Über Hamburg fällt ein Flugzeug auf, das am Mittwoch stundenlang über der Hansestadt kreist. Das steckt dahinter.
Wer am späten Mittwochnachmittag auf Flightradar24 schaute, konnte ein ungewöhnliches Flugmuster beobachten: Über der Hansestadt flog ein Flugzeug immer wieder Bögen und Schleifen. Der Grund lag nicht in einem technischen Problem an Bord – sondern in einem Auftrag am Boden.
Das Flugzeug gehört der Flight Calibration Services GmbH (FCS), die sich auf die Vermessung von Navigationsanlagen spezialisiert hat. Ziel des Einsatzes war der Flugplatz auf dem Airbus-Gelände in Finkenwerder, wie die „Mopo“ berichtet. Dort wurde das Instrumentenlandesystem (ILS) überprüft – eine Anlage, die Piloten und Autopiloten auch bei schlechter Sicht präzise zur Landebahn führt, indem sie Signale für den korrekten Anflugkurs und -winkel aussendet.
Schleifen als Methode
Um die Qualität dieser Signale zu beurteilen, muss die Messmaschine das Gelände aus verschiedenen Richtungen und Entfernungen anfliegen. Erst so kann festgestellt werden, ob die Anlage unter realen Bedingungen zuverlässig funktioniert. Die charakteristischen Kreismuster auf dem Radar sind also kein Zufall, sondern Teil des Verfahrens. Drei Personen sind bei solchen Einsätzen an Bord: zwei Piloten und ein Messingenieur.

„Wir setzen für solche Einsätze zwei speziell ausgerüstete Beechcraft King Air 350 ein. Die Messsysteme analysieren die Signale während des Fluges in Echtzeit“, sagte Thomas Wede, Chief Operations Officer bei FCS, der „Mopo“.
Regelmäßige Pflicht – mit einer Ausnahme
Solche Einsätze sind in der Flugsicherheit fest vorgeschrieben. Alle sechs Monate muss jede Landebahn überprüft und bei Bedarf neu kalibriert werden. Am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel ist das laut „Mopo“ nicht bei allen Landebahnen möglich – bei einer sei eine regelmäßige Vermessung technisch nicht durchführbar.
Weiterhin ist eine erneute Vermessung immer dann erforderlich, wenn Wartungsarbeiten an den Navigationsanlagen vorgenommen wurden. Genau dieser Fall trat in Finkenwerder ein: Nach Eingriffen am System musste sichergestellt werden, dass die ausgesendeten Signale weiterhin den vorgeschriebenen Standards entsprechen.
Containerschiffe als Faktor
Finkenwerder bringt dabei eine besondere Herausforderung mit sich, die andernorts nicht existiert. „Zwischen der Landebahn und dem Anflugbereich liegt die Elbe. Bei Anflügen in westlicher Richtung müssen wir deshalb auch den Schiffsverkehr im Blick behalten. Fährt ein großes Containerschiff ein, müssen wir warten“, erklärte Wede der „Mopo“.
Die FCS ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Flugsicherungsanbieter DFS Deutsche Flugsicherung, Austro Control und skyguide und absolviert jährlich mehrere tausend Flugvermessungsstunden, überwiegend in Europa. Neben dem operativen Betrieb ist das Unternehmen auch in Forschung, Entwicklung und Beratung rund um die Flugsicherung tätig und hält mehrere Patente.











