Von wegen gesund
Diese Nahrungsergänzungsmittel gefährden Ihre Leber
Aktualisiert am 03.09.2026 – 10:30 UhrLesedauer: 4 Min.
Nahrungsergänzungsmittel sind rezeptfrei – aber nicht immer risikofrei: Einige können die Leber schädigen. Problematische Mittel im Überblick.
Natürlich und sanft die eigene Gesundheit verbessern, ohne ärztliche Hilfe lästige Beschwerden in den Griff bekommen: Das ist es wohl, was sich die meisten beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln erhoffen.
Häufig werden sie enttäuscht. Schlimmer noch: Manche der Präparate, die für teils beträchtliche Preise in Drogerien, im Internet oder in Apotheken angeboten werden, können krank machen. In den USA gibt es ein Register, in dem arznei- und pflanzenstoffbedingte Leberschäden erfasst werden. Es heißt „Drug-induced Liver Injury Network“ (DILIN). Diesem zufolge entfallen 20 von 100 Fällen einer durch Arzneimittel oder andere eingenommene Stoffe verursachten Leberschädigung (kurz DILI für „drug-induced liver injury“) auf pflanzliche Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel.
Die Zahl lässt sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen: Das Register erfasst keine zufällig ausgewählte Bevölkerung, sondern vor allem gemeldete und in spezialisierten Zentren untersuchte Fälle aus den USA. Außerdem können sich verwendete Präparate, Dosierungen, Meldewege und die Häufigkeit ihrer Einnahme zwischen den Ländern unterscheiden.
Für Deutschland gibt es keine vergleichbare, bundesweit vollständige Statistik, mit der sich der Anteil von Nahrungsergänzungsmitteln an allen solchen Leberschäden zuverlässig angeben lässt. Das bedeutet indes nicht, dass solche Leberschäden hierzulande seltener sein müssen. Überdies gibt es Nahrungsergänzungsmittel aus den USA oder anderen Ländern im Internet zu kaufen.
Unabhängig vom Herkunftsland gilt daher: Nur weil die Produkte rezeptfrei erhältlich sind, bedeutet das nicht, dass sie unbedenklich oder harmlos sind – im Gegenteil: Manche enthalten Substanzen, die ähnlich wie Medikamente wirken und entsprechend Risiken bergen. Die Zusammensetzung wird nicht so streng kontrolliert wie die von Arzneimitteln.
Nahrungsergänzungsmittel sind nicht immer sicher
Anders als richtige Medikamente benötigen Nahrungsergänzungsmittel keine offizielle Zulassung durch eine Behörde, um verkauft werden zu dürfen. Denn in der EU gelten sie nicht als Arzneimittel, sondern als Lebensmittel. Nach den Lebensmittelvorschriften tragen die herstellenden Firmen die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Produkte. Einen Nachweis für deren gesundheitliche Unbedenklichkeit müssen die Unternehmen nicht erbringen.
So erklärt sich, warum leberschädigende (oder anderweitig gesundheitsschädliche) Nahrungsergänzungsmittel überhaupt auf den Markt kommen können.
Die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer führen zwar Kontrollen durch. Diese erfolgen aber nicht flächendeckend, sondern stichprobenartig und risikoorientiert. Letzteres bedeutet: Vorrangig werden Produkte überprüft, die aufgrund bestimmter Merkmale als potenziell riskant eingestuft werden – etwa, weil es mit dem Hersteller oder den Inhaltsstoffen in der Vergangenheit schon Probleme gab.
Diese Nahrungsergänzungsmittel gefährden die Leber
Beispiele für beliebte oder bekannte Nahrungsergänzungsmittel, die die Leber schädigen können, sind:
- Grüntee-Extrakt
- Ashwagandha (Schlafbeere, soll Stress lindern und den Schlaf verbessern)
- Garcinia cambogia (hilft angeblich beim Abnehmen)
- Polygonum multiflorum (soll unter anderem die Fruchtbarkeit steigern)
- Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis) gegen Haarausfall
- anabole Steroide (können insbesondere Bodybuilding-Produkten illegal beigemischt sein)
- Kurkuma/Curcumin in hoher Dosierung
Es gibt jedoch noch weitere. Zudem ist nicht von allen auf dem Markt befindlichen Präparaten bekannt, ob sie Leberschäden verursachen können.
Wer über die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels nachdenkt, sollte sich dieses Risikos bewusst sein und zunächst mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Geht es darum, bestimmte Beschwerden zu lindern, ist eine gezielte (und erwiesenermaßen wirksame) Therapie meist sinnvoller – und häufig notwendig. Wenn die Einnahme der Verbesserung der Gesundheit oder des Aussehens dienen soll, gibt es oft andere – sicherere – Möglichkeiten, um die erwünschten Wirkungen zu erzielen. Auch darüber kann die Ärztin oder der Arzt informieren.












