Nach Gespräch mit Merz
„Ich bin nicht die Wut-Ärztin“
29.08.2026 – 18:36 UhrLesedauer: 4 Min.

Ihre Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen dünnhäutige Reaktion darauf gingen viral: Jetzt verteidigt Kinderärztin Bea Merscher ihre drastischen Worte.
Die Antwort von Bea Merscher kam um 4.21 Uhr am Samstagmorgen: Ab 11 Uhr sei sie gerne zu einem Telefonat bereit, um über Friedrich Merz, ihre Kritik an ihm und seine Reaktion darauf zu reden, schreibt sie. Sie meldet sich dann schon nach dem zweiten Klingeln, und im Hintergrund ist es laut: Ein Kind will einen Joghurt, oder dann doch nicht. „Ich habe ja noch den Vollzeitjob als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern“, sagt die Kinderärztin. 500.000 Abonnenten hat sie auf ihren Social Media-Kanälen Instagram, TikTok, Facebook und YouTube.
Erst um 22 Uhr habe sie am Freitag die Mails lesen können, die am Freitag eingegangen waren nach der Ausstrahlung des RTL-Formats „Friedrich Merz am Tisch mit Bürgerinnen und Bürgern“. Die Kinderärztin, die derzeit in Elternzeit ist, hatte in einem Einspieler den Kanzler gefragt: „Warum brechen Sie Ihren Amtseid, den Nutzen des Volks zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden und erlassen solche menschenverachtenden zerstörerischen Gesetze wie das GKV-Spargesetz?“
Für Merz ging ihr Vorwurf „ein bisschen über das normale Maß an Kritik hinaus“. Das Gesetz heißt offiziell Beitragssatzstabilisierungsgesetz der Gesetzlichen Krankenversicherung (kurz GKV) und soll die ständig steigenden Beiträge stabil halten. Ihm dabei persönlich einen vorsätzlichen Bruch seines Amtseides vorzuwerfen, sei schon „ziemlich harter Tobak“, sagte er der Kanzler in der SEndung. Sie mache es sich zu einfach. Merz prophezeite ihr, wenn sie so argumentiere, werde sie für ihre Argumente kaum noch Gehör finden.
„99,9 Prozent waren positiv“
Die Mails im Postfach von Merscher sprechen offenbar eine andere Sprache: „Gut 300 waren es, ich habe alle gelesen. 99,9 Prozent positiv“, erzählt sie t-online am Telefon. „Und mit dem, was ich gesagt habe, haben sich offenbar ganz viele Menschen mit ihren Befürchtungen gesehen gefühlt.“ Ganz wenig Kritik habe es gegeben, „es gab Kollegen, die mich fragen, wie man als Ärztin so unprofessionell und unter der Gürtellinie auftreten könne.“ Die Ärztin will daher noch einiges klarstellen, was sie in der „kurzen Redezeit“ in der Sendung nicht habe unterbringen können.
Sie habe Merz nicht vorgeworfen, seinen Amtseid „vorsätzlich“ zu brechen. Merz selbst habe das mit seiner Antwort ins Spiel gebracht. Merscher betont, sie habe das offen gelassen: „Die Frage ist doch, ob böswillig bewusst gehandelt wird oder ignorant und er die Lage nicht erkannt hat und nicht versteht, was er da anrichtet.“
Merz hatte der Kinderärztin in der Sendung erklärt, das Budget für das Gesundheitssystem sei in den vergangenen Jahren um 40 Prozent erhöht worden, es würden 500 Milliarden dafür ausgegebene. An Merscher gerichtet sagte er: „Da sind sie als Teil dieses Gesundheitssystems auch Nutznießer. Sie als Ärztin, sie könnten ohne dieses Gesundheitssystem nicht leben.“ Merscher sagt dazu, das habe ihr einen Stich versetzt.











