Erstaunliches Verhalten bei Spinnen
Warum Männchen bei der Paarung einen Salto in den Tod wagen
Aktualisiert am 14.08.2026 – 02:59 UhrLesedauer: 3 Min.

Männliche Rotrückenspinnen vollführen bei der Paarung einen Salto in die Giftzähne ihrer Partnerin. Forscher der Universität Hamburg haben nun Grundlage dieses Verhaltens entschlüsselt.
Die Rotrückenspinne wird in Australien gefürchtet. Sie ist überall im Land verbreitet. In Städten wie Perth oder Sydney, wo sie häufiger in Wohnräumen oder Garagen auftaucht, haben sich viele Menschen an Vorsicht gewöhnt: Schuhe, die draußen standen, werden vor dem Anziehen oft erst ausgeschüttelt.
Das Weibchen der Gattung „Latrodectus hasseltii“, das ist ihr lateinischer Name, verfügt über ein starkes Nervengift. Es kann für Menschen sehr schmerzhaft sein oder in seltenen Fällen sogar tödlich, wenn die Spinne, die auch als „australische Schwarze Witwe“ bezeichnet wird, zubeißt. Etwa 2.000 Menschen im Land werden pro Jahr gebissen. Seit Einführung eines Gegengifts im Jahr 1956 gab es jedoch keine bestätigten Todesfälle mehr.
Das Weibchen ist jedoch für seine Paarungspartner tödlich. Die Männchen vollführen während des Aktes einen Rückwärtssalto in ihre giftigen Kieferklauen. Eine neue Studie von Forschenden an der Universität Hamburg hat nun Erstaunliches über dieses Verhalten aufgedeckt. In der am Mittwoch in der Fachzeitschrift „Biology Letters“ veröffentlichten Studie untersuchten die deutschen Forscher, warum Rotrücken-Männchen einen „selbstmörderischen Salto“ während der Paarung vollführen, andere Spinnen mit einem ähnlichen Paarungsverhalten aber nicht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das ungewöhnliche Verhalten auf einer einfachen genetischen Grundlage beruht.

Der riskante Doppel-Akt
Männliche Rotrückenspinnen haben nur eine einzige Partnerin in ihrem Leben. Während der Kopulation überträgt das Rotrücken-Männchen mit seinen Pedipalpen – zwei armähnliche Fortsätze – Spermien in die zwei Spermienspeicherorgane des deutlich größeren Weibchens.
Dabei vollführt es den dramatischen Salto und bewegt seinen Hinterleib gezielt in Richtung der Giftklauen des viel größeren Weibchens. Diese Art der Selbstaufopferung sichert dem Männchen eine längere Kopplungsdauer. Dadurch kann es mehr Sperma übertragen und seine Vaterschaftschancen maximieren.
Das Ziel ist es jedoch, den Akt zweimal durchzuführen. Während der Paarung verengt sich sein Hinterleib stark, was ihm helfen kann, eine erste Begattung nach dem Salto noch zu überleben. Gelingt dies, kann das Männchen sich ein zweites Mal mit dem Weibchen paaren und sein Sperma in beide Spermienspeicherorgane abgeben und so alle Eier des Weibchens befruchten. Danach wird es meist aufgefressen.
Rotrückenspinnen sind eng verwandt mit der neuseeländischen Katipō-Spinne „Latrodectus katipo“, die keinen sexuellen Kannibalismus praktiziert. Auch der Salto findet nicht statt. Hier setzten die Forscher an, um zu verstehen, warum sich das Verhalten unterscheidet. „Da sich die beiden Arten erst vor etwa 100.000 Jahren voneinander getrennt haben, bietet ihr unterschiedliches Paarungsverhalten eine Möglichkeit, die genetischen Grundlagen dieser Verhaltensmuster zu untersuchen“, teilte Kardelen Özgün Uludağ, Doktorandin am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg und Erstautorin der Studie, mit.









