Lebensmittel für Bedürftige
Elf Tonnen am Tag: Was passiert, wenn die Kölner Tafel Pause macht?
13.08.2026 – 14:24 UhrLesedauer: 3 Min.
Drei Wochen Pause, tonnenweise Lebensmittel – was passiert, wenn die Tafel Urlaub macht? In Köln kämpfen alternative Lebensmittelretter auch gegen die hohen Temperaturen.
Normalerweise sind die Fahrzeuge der Kölner Tafel werktags im Dauereinsatz. Bis zu elf Tonnen überschüssige Lebensmittel holen die Helfer täglich bei Supermärkten und Herstellern ab. Anschließend werden die Waren über rund 50 Ausgabestellen an armutsgefährdete Menschen in Köln verteilt.
Derzeit aber herrscht Pause: Die Kölner Tafel hat für drei Wochen Sommerferien. Damit fallen nicht nur die regulären Lieferungen an die Ausgabestellen weg. Auch große Mengen an Lebensmitteln, die sonst von der Tafel eingesammelt würden, müssen vorübergehend andere Abnehmer finden.
Dass Tafeln zeitweise schließen, ist bundesweit nichts Ungewöhnliches. Die Arbeit beruht größtenteils auf ehrenamtlichem Engagement. „Tafeln sind ein freiwilliges, ergänzendes Angebot, das auf dem ehrenamtlichen Engagement Vieler beruht“, sagt Nathalie Hock von Tafel Deutschland. Auch die Helfer müssten die Möglichkeit bekommen, sich zu erholen.
Andere Lebensmittelretter springen ein
In Köln versuchen währenddessen andere Initiativen, einen Teil der Lücke zu schließen. Für sie bedeutet die Tafel-Pause allerdings deutlich mehr Arbeit.
Der Verein „Abgeschrieben“ etwa fährt derzeit zusätzliche Supermärkte an. Gründer David Schulze und Jennifer Burghof-Fleck sortieren dort Kisten voller Tomaten, Salat, Gurken oder Obst. Waren, die noch verwendbar sind, werden mitgenommen und später weitergegeben.
„Sonst fahren wir viele Märkte nur samstags an“, sagt Schulze. Während der Tafel-Pause seien die Helfer nun täglich unterwegs.
Auch Foodsharing Köln hat seine Aktivitäten ausgeweitet. „Wir ‚beretten‘ jetzt weitere Supermärkte und haben SOS-Teams eingerichtet, wenn dringend etwas abgeholt werden muss“, sagt Ruth Welter von der Initiative. In Köln engagieren sich rund 5.000 Ehrenamtliche bei Foodsharing.
Hitze macht die Arbeit zusätzlich schwierig
Ausgerechnet in der Sommerpause erschweren die hohen Temperaturen das Retten der Lebensmittel. Obst und Gemüse verderben schneller und müssen genauer kontrolliert werden. „Die Temperatur macht nicht nur die körperliche Arbeit anstrengender, die Lebensmittel verderben auch schneller. Folglich müssen wir viel mehr sortieren“, sagt Schulze.
Damit wächst der Aufwand gerade in einer Zeit, in der besonders viele Helfer benötigt werden.
„Armut und Bedürftigkeit machen keine Ferien“
Nicht alle regulären Ausgabestellen haben während der Tafel-Pause geschlossen. In Sankt Karl in Köln-Sülz etwa werden weiterhin Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben – obwohl die Einrichtung derzeit keine Lieferungen von der Kölner Tafel erhält. „Armut und Bedürftigkeit machen keine Ferien“, sagt Diakon Hanno Sprissler.
Deshalb organisiert die Gruppe die Lebensmittel derzeit größtenteils selbst. Unterstützt von der Stiftung des 1. FC Köln und der Caritas holen Ehrenamtliche Waren in Supermärkten ab und sortieren sie anschließend in der Kirche.
Rund zwei Dutzend Helfer prüfen dort Kiste um Kiste. Welke Blätter werden entfernt, beschädigtes Obst und Gemüse aussortiert. Besonders viele Backwaren bleiben derzeit übrig. „Es ist wirklich unglaublich, wie viele Backwaren gerade übrig bleiben“, sagt Helferin Monika Beckmann.












