Dümmel nannte die Übernahme damals einen „Schritt in die Zukunft“. Die Unternehmen wollten zeigen, wie Einzelhandel und Social Commerce zusammenarbeiten können.
Die Finanzierung bricht zusammen
Die großen Pläne hielten nicht lange. Social Chain kämpfte unter anderem mit steigenden Kosten, gestörten Lieferketten und einem hohen Finanzierungsbedarf. Als ein Investor zugesagte Mittel für eine Kapitalerhöhung nicht einzahlte und weitere Finanzierungsgespräche scheiterten, kam es zum Kollaps. „Der Vorstand der The Social Chain AG (…) ist heute nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Gesellschaft keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, teilte das Unternehmen damals mit. Man gehe davon aus, „dass keine hinreichende Wahrscheinlichkeit mehr besteht, dass der kurzfristige Finanzbedarf der Gesellschaft gedeckt werden kann“.
Am 24. Juli 2023 kündigte die Gesellschaft einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung an. Die DS Holding und ihre Tochtergesellschaften waren von dem Insolvenzantrag zunächst nicht unmittelbar betroffen und setzten ihren Geschäftsbetrieb fort.
Aktie startet bei 54 Euro und liegt am Ende bei 5 Cent
Für Dümmel war dennoch die Grundlage seiner Wachstumsstrategie zusammengebrochen. Aus der geplanten internationalen Social-Commerce-Plattform wurde ein Insolvenzfall. Die Aktien, die einen erheblichen Teil des Kaufpreises für die DS Gruppe ausgemacht hatten, verloren massiv an Wert. Lag der Eröffnungspreis der Aktie im November 2021 bei 54 Euro, brach das Papier nach der Bekanntgabe des Insolvenzantrags ein – bis auf 0,35 Euro. Aktuell notiert die Aktie sogar bei nur noch 5 Cent.
Nach dem Zusammenbruch des Unternehmens räumte Dümmel ein, wie schwer ihn die Entwicklung getroffen habe. „Beruflich waren die letzten Wochen sehr stürmisch“, schrieb er im August 2023 auf Instagram. Zugleich machte er deutlich, worauf er sich nun konzentrieren wollte: auf die DS Gruppe, die er als „mein Baby“ bezeichnete.
Dümmel kauft sein früheres Unternehmen zurück
Nur wenige Monate nach dem Insolvenzantrag stand Dümmel auf der anderen Seite eines Verkaufsprozesses. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte suchte nach einem Käufer für die DS Gruppe, die als besonders wertvolle Beteiligung von Social Chain galt. Nach Angaben der beteiligten Wirtschaftskanzlei wurden Angebote zahlreicher Interessenten geprüft.
Am Ende erhielt eine Gruppe um Dümmel und weitere frühere Gesellschafter den Zuschlag. Die Gläubigerversammlung stimmte dem Verkauf im November 2023 ohne Gegenstimme zu. Nach Angaben der Kanzlei Görg hatte sich Dümmels Gruppe in einem Verfahren mit rund 60 Beteiligten durchgesetzt.
Zum Angebot gehörten auch die Rückführung von Bankdarlehen, die Übernahme erheblicher Verbindlichkeiten sowie der Verzicht auf Forderungen gegen Social Chain. Insolvenzvorstand Gerrit Hölzle sprach von einem „für die Gläubiger wirtschaftlichen Angebot“.










