Doppelschlag aus Hormus und „Tor der Tränen“
Die entscheidende Schwachstelle sind aber nicht Container, sondern das Öl. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent ist seit dem Beginn der Blockade stark angestiegen und liegt wieder über 100 Dollar.
Vor zwei Jahren spielte der Bab al-Mandab für den Ölhandel eine Nebenrolle, heute entscheidet er über die Versorgung ganzer Regionen. Durch die Straße von Hormus lief in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs sowie etwa ein Viertel des Flüssiggases. Seit der Iran die Meerenge weitgehend sperrt, leitet Saudi-Arabien mehr als 70 Prozent seiner Ölexporte über eine Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer um.
Damit ist der Bab al-Mandab zur Lebensader geworden. Insgesamt passierten im Juni 7,4 Millionen Barrel Öl täglich die Meerenge und damit rund sieben Prozent der weltweiten Produktion.
Eine gleichzeitige Störung beider Seewege hätte globale Folgen: Nach Schätzungen von Fachleuten wäre Welthandel im Wert von etwa zehn Milliarden Dollar pro Tag betroffen, dazu bis zu ein Viertel der weltweiten Öl- und Gasversorgung. Nach Westen auszuweichen, geht nicht: Die Supertanker, die den Großteil der saudischen Exporte tragen, passen voll beladen nicht durch den Suezkanal.
Dass die Weltwirtschaft die Sperrung von Hormus bisher verkraftet hat, lag vor allem an einem Puffer. „Die Effekte waren bisher relativ überschaubar, weil die Chinesen unerwartet große Reserven haben“, sagt Langhammer. Doch sind sie erschöpft, fällt der Dämpfer weg – und der Preisdruck steigt weiter.
In Asien ist die Energiekrise schon angekommen. Dort hängen Wachstum und Alltag noch weit stärker an Öl und Gas, Alternativen aus erneuerbaren Quellen fehlen weitgehend. Die Folge sind Rationierungen und drastische Sparmaßnahmen bis hin zur Vier-Tage-Woche. Die Weltbank warnt, das globale Wachstum könne auf 1,3 Prozent einbrechen, nach 2,9 Prozent im Jahr 2025. „Es ist wie ein langsam fahrender Zug, der auf ein Unglück zusteuert“, sagte Chefökonom Indermit Gill.
Und was heißt das für uns?
In Deutschland ziehen die Spritpreise jetzt weiter an. Auch der europäische Gaspreis steigt. Das trifft den Kontinent zur Unzeit: Die Füllstände der europäischen Gasspeicher liegen unter 30 Prozent, müssen nach EU-Vorgaben aber bis Dezember 90 Prozent erreichen.
Auch für den deutschen Außenhandel zählt die Meerenge. Nach einer Untersuchung des Ifo-Instituts war der Bab al-Mandab 2023 das wichtigste Nadelöhr für deutsche Importe: Fast zehn Prozent der Einfuhren liefen durch die Passage – deutlich mehr als durch die Straße von Hormus. Seither ist der Anteil gesunken, weil auch deutsche Importeure die Route meiden. Ein Teil des Schadens ist damit längst eingetreten.












