Studie zu Übergewicht
Viele kennen mögliche Hilfen beim Abnehmen nicht
16.07.2026 – 15:53 UhrLesedauer: 2 Min.
Die meisten Menschen mit Übergewicht versuchen, allein abzunehmen. Dass es professionelle Hilfsangebote gibt, ist ihnen dabei oftmals unbekannt.
Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland lebt mit Übergewicht oder Adipositas – und den entsprechenden Gesundheitsrisiken, die damit einhergehen. Für Betroffene gibt es verschiedene wissenschaftlich empfohlene Behandlungsangebote. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass diese in der Praxis überraschend selten genutzt werden – oft schon deshalb, weil viele Menschen sie gar nicht kennen. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Obesity Facts“.
Abnehmversuche meist in Eigenregie
Für die Untersuchung befragten Forscher der Medizinischen Fakultät Mannheim mehr als 2.000 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas. Rund 86 Prozent hatten demnach bereits versucht, ihr Gewicht ohne fremde Hilfe zu reduzieren. Drei von vier gingen dabei jedoch ohne professionelle Unterstützung vor – etwa indem sie sich anders ernährten oder mehr bewegten. Für gewöhnlich gelingt es Betroffenen aber nicht, auf eigene Faust ein Normalgewicht zu erreichen – und es dann auch zu halten.
Gut zu wissen
Aktuelle Leitlinien empfehlen zuerst strukturierte Programme zum Abnehmen, die Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen kombinieren. Je nach Ausprägung der Adipositas können auch Medikamente oder eine Operation infrage kommen.
Gespräche beim Hausarzt bleiben oft aus
Weniger als die Hälfte der Befragten hatte jemals mit ihrem Hausarzt darüber gesprochen, welche Möglichkeiten zur Gewichtsverringerung es gibt. Und selbst nach solchen Gesprächen erhielten viele lediglich allgemeine Tipps zur Ernährung und Bewegung von ihrem Arzt. Konkrete Empfehlungen für spezialisierte Programme oder Überweisungen zu Fachärzten gab es deutlich seltener. Dennoch hielten fast zwei Drittel der Teilnehmer ein Gespräch mit der Hausarztpraxis grundsätzlich für hilfreich.
Kaum bekannt, obwohl die Kasse zahlt
Besonders auffällig war, wie wenig bekannt strukturierte Behandlungsprogramme und digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für Adipositas waren. Obwohl nur rund jeder Fünfte solche Programme kannte, äußerten knapp 40 Prozent jedoch Interesse daran, sie künftig zu nutzen. Zugelassene DiGAs können vom Arzt verschrieben werden. Für gewöhnlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, wenn Betroffene volljährig sind und einen BMI von 30 oder mehr haben.
Wissen und Zugang sollen verbessert werden
Als häufigste Gründe gegen eine professionelle Unterstützung gaben die Befragten an, nicht ausreichend über vorhandene Angebote informiert zu sein, an deren langfristigem Nutzen zu zweifeln sowie der eigenen Einschätzung nach noch keine Hilfe zu benötigen. Bei den Befragten, die keine Medikamente zur Gewichtsreduktion einsetzen wollten, standen vor allem Bedenken über Nebenwirkungen und mögliche Kosten im Vordergrund.
Die Forscher sehen daher eine deutliche Versorgungslücke. Ihrer Ansicht nach sollten Menschen mit Übergewicht und Adipositas besser darüber informiert werden, welche evidenzbasierten Möglichkeiten zur Gewichtsabnahme es gibt und wie sie Zugang dazu erhalten. Gleichzeitig sollten Hausarztpraxen stärker dabei unterstützt werden, geeignete Angebote zu vermitteln.











